1. Home
  2. Politik
  3. Gestürzter Präsident Mursi unter Hausarrest

Putsch
Gestürzter Präsident Mursi unter Hausarrest

Jubel auf den Strassen in Kairo: Hier ausserhalb des Präsidentenpalastes. (Bild: Keystone)

Nach dem Umsturz in Ägypten stehen die meisten Mitarbeiter des abgesetzten Präsidenten unter Arrest. Weitere Politiker der Muslimbruderschaft sollen ebenfalls in Haft sein.

Veröffentlicht am 04.07.2013

Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär gehen die Sicherheitskräfte gegen die Muslimbruderschaft vor. Mursi und seine engsten Mitarbeiter wurden in der Nacht zum Donnerstag vom Militär festgehalten.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der gestürzte Präsident in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes unter Hausarrest gestellt. Ein Sprecher der Muslimbruderschaft erklärte, mit Mursi sei auch einer seiner wichtigsten Berater, Essam al-Haddad, festgesetzt worden.

Die Sicherheitskräfte nahmen nach eigenen Angaben ausserdem den Führer der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit - des politischen Arms der Muslimbrüder - Saad al-Katatni, sowie den stellvertretenden Chef der Muslimbrüder, Raschad Bajumi, fest. Laut der staatlichen Zeitung«Al-Ahram» wurde nach 300 Mitgliedern und Führern der Muslimbruderschaft gefahndet.

Sender abgeschaltet

Mursi hatte kurze Zeit nach seiner Absetzung in einer Videoansprache noch betont, er sei weiterhin«der gewählte Präsident Ägyptens» und das Volk müsse seine«Legitimität verteidigen». Die Sicherheitskräfte schalteten einen TV-Sender der Islamisten ab und nahmen Mitarbeiter eines weiteren Senders fest, der Mursis Ansprache ausgestrahlt hatte.

Soldaten drangen auch in das Studio des Senders al-Dschasira ein und nahmen nach Angaben von Journalisten des Senders fünf Mitarbeiter fest. Die Berichterstattung des von Kritikern als islamisten-nah beschriebenen Senders über eine Pro-Mursi-Demonstration sei unterbunden und die Berichterstatter vor Ort ebenfalls verhaftet worden.

Technokraten-Regierung

Die Armeeführung hatte Mursi am Mittwochabend entmachtet und Verfassungsgerichtspräsident Adli Mansur übergangsweise mit der Staatsführung betraut. Vorausgegangen waren tagelange Massenproteste gegen den islamistischen Präsidenten, dem seine Gegner vorwerfen, die Revolution von 2011 verraten zu haben. Dabei wurden seit Ende Juni fast 50 Menschen getötet.

Armeechef Abdel Fatah al-Sisi kündigte die Bildung einer Regierung aus Fachleuten an. Die umstrittene neue Verfassung soll ausser Kraft gesetzt und überarbeitet werden. Zudem soll es rasch Neuwahlen zum Präsidentenamt geben. Ein Zeitplan wurde nicht genannt.

Der Oppositionspolitiker Amr Mussa betonte, die Konsultationen zur Regierungsbildung hätten bereits begonnen. Mansur soll bereits am Donnerstag vereidigt werden.

Feiern in den Strassen

Zehntausende Demonstranten in Kairo feierten die Entmachtung Mursis. Mit Hupkonzerten und Feuerwerken zogen sie durch die Strassen der Hauptstadt.

Bei Zusammenstössen zwischen Anhängern und Gegnern des entmachteten Präsidenten starben in der Nacht landesweit mindestens 14 Menschen. Allein in der nordägyptischen Stadt Marsa Matruh kamen Sicherheitskräften zufolge acht Menschen ums Leben. Tote gab es auch in der Hafenstadt Alexandria und im südägyptischen Minja.

Internationale Gemeinschaft besorgt

Die UNO, die USA und europäische Staaten reagierten mit Besorgnis auf die Entmachtung Mursis. US-Präsident Barack Obama rief die Armee auf, die Staatsgewalt so bald wie möglich wieder einer demokratisch gewählten zivilen Regierung zu übertragen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, jegliche«Einmischung des Militärs in die Angelegenheiten eines Staates sei besorgniserregend». Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton forderte rasche Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie die Verabschiedung einer Verfassung.

Auch die französische Regierung hofft auf freie Neuwahlen und die britische Regierung forderte alle Beteiligten auf, nun«die Führungsstärke und Weitsicht zu zeigen, die für eine Wiederherstellung und Erneuerung des demokratischen Übergangs nötig sind».

(tke/rcv/sda)

Anzeige