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Gewerkschaften drohen mit Streiks

Streikende Bauarbeiter: Die Gewerkschaften stellen Forderungen. Keystone

Die Gewerkschaften wollen bessere Arbeitsbedingungen auf dem Bau: Bieten die Baufirmen nicht dazu Hand, wollen die Arbeiter streiken. Bis Ende Jahr braucht es eine Lösung.

Veröffentlicht am 23.06.2015

Dem Schweizer Baugewerbe droht ein heisser Herbst. Sollten Baumeister und Gewerkschaften sich im Streit um einen neuen Landesmantelvertrag (LMV) nicht zu einer gemeinsamen Lösung durchringen, wollen die Gewerkschaften Kampfmassnahmen ergreifen. Die Zeichen stehen auf Sturm.

«Es geht um viel», sagte Nico Lutz, Geschäftsleitungsmitglied der Gewerkschaft Unia vor den Medien in Zürich. Tatsächlich droht im Baugewerbe auf Ende Jahr ein vertragsloser Zustand, denn dann läuft der Landesmantelvertrag aus, der die Arbeitsbedingungen von rund 80'000 Bauarbeitern regelt.

Demonstration in Zürich

Bislang sind sich die Sozialpartner nicht einig, wie es in Zukunft weitergehen soll. Am nächsten Samstag wollen die Gewerkschaften Unia und Syna mit einer Demonstration in Zürich nun ein erstes Zeichen setzen.

Eine Verlängerung des bestehenden Vertrages, wie dies der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) vorschlägt, ist für die Gewerkschaften keine Option. Sie verlangen einen neuen LMV mit «verbesserten Bedingungen».

«Wir fordern die Baumeister auf, Hand für eine Lösung zu bieten - auch in ihrem eigenen Interesse», sagte Lutz. Doch bislang weigere sich der Baumeisterverband, an Verhandlungen teilzunehmen. Damit riskiere er einen «harten Arbeitskonflikt».

Besserer Wetterschutz für die Bauarbeiter

Die Gewerkschaften fordern unter anderem, dass die Bauarbeiter insbesondere bei schlechtem Wetter besser geschützt werden. Wegen des zunehmenden Termindrucks werde heute viel zu oft bei gefährlichen Bedingungen gearbeitet.

Jahr für Jahr verunfalle jeder fünfte Bauarbeiter bei der Arbeit, sagte Lutz. Wenn die Gesundheit gefährdet sei, müssten die Baustellen ruhen. Den Arbeitern dürfe deswegen aber nicht der Lohn gekürzt werden.

Gewerkschaften fürchten Sozialabbau

Des weiteren müsse die Rente mit 60 gesichert werden. Die Stiftung FAR, welche die Frühpensionierung finanziert, weise heute einen Deckungsgrad von 113 Prozent auf. Bis 2025 werde die Zahl der Rentner deutlich steigen und danach wieder abnehmen.

Es brauche also - vorübergehend - eine Erhöhung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge. Ein Teil der Baumeister wolle diese Entwicklung aber als Vorwand für eine Erhöhung des Rentenalters nutzen.

Massnahmen gegen Lohndumping

Zudem brauche es dringend wirksamere Massnahmen gegen Lohndumping, sagte Serge Gnos, Mitglied der Sektorleitung Bau bei der Unia. Heute sei es für die Auftraggeber schwierig einzuschätzen, ob Firmen sich an die arbeitsrechtlichen Bestimmungen halten.

Gnos plädierte deshalb für die Schaffung einer zentralen Auskunftsstelle, an die sich Bauherren und Erstunternehmer wenden könnten. So liesse sich in Erfahrung bringen, welche Firmen bis anhin den jeweiligen GAV eingehalten haben. Daran müssten alle ein Interesse haben, sagte Gnos.

Kritik am SBV übte auch Ernst Zülle, Sektorleiter Bau bei der Gewerkschaft Syna. Dieser gefährde mit seiner «Verhandlungsblockade» den sozialen Frieden im Land. In diesem Jahr habe der Baumeisterverband bereits drei Verhandlungstermine verstreichen lassen.

«Ideologische Machtspiele»

Der SBV seinerseits wirft den Gewerkschaften vor, sie riskierten mit ihren «ideologischen Machtspielen» einen vertragslosen Zustand.

Angesichts der sich abkühlenden Konjunktur sei die Fortführung des Vertrags eine ausgesprochen grosszügige und für die Unternehmer auch teure Lösung, schreibt der Baumeisterverband in einer Mitteilung. In einigen Branchen würden sogar Kurzarbeit eingeführt und Löhne gekürzt.

(sda/mbü/chb)

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