Seit der Gründung des Internationalen Währungsfonds haben die Industrieländer in der Organisation am meisten zu sagen. Damit könnte es bald vorbei sein. Denn die Stimmengewichte verschieben sich immer mehr zugunsten der Schwellen- und Entwicklungsländer.

Auf einer aktualisierten Datenbasis kommen die Industrieländer noch auf eine kalkulierte Quote von 54,7 Prozent, während die Schwellen- und Entwicklungsländer inzwischen bei 45,3 Prozent liegen, wie aus einem in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichten Arbeitspapier des IWF-Stabes hervorgeht.

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Gegenüber der letzten regulären Anpassungsrunde erhöhten die Schwellen- und Entwicklungsländer danach ihre Quote um 3,5 Prozentpunkte, gegenüber der Quoten-Reform von 2008 gar um 9,1 Prozentpunkte. Entsprechend eingebüsst haben die Industrieländer.

Vergleicht man die kurzfristige Entwicklung der kalkulierten Quoten, legten zuletzt China, Indien und Brasilien am stärksten zu, während Deutschland, die USA und Grossbritannien am stärksten einbüssten. Als eines der wenigen Industrieländer konnte die Schweiz ihr Gewicht erhöhen, wenn auch nur geringfügig: Die kalkulierte Quote stieg von 1,2 auf 1,3 Prozent.

Streit um neue Formel

Die Quoten der einzelnen Länder bestimmen die Stimm- und damit Machtgewichte im IWF, sind aber auch massgeblich für die Kreditziehungsrechte der Länder beim Fonds. Derzeit wird über eine neue Formel zur Berechnung der Quoten gestritten. Diese orientieren sich an zahlreichen Faktoren, etwa der Wirtschaftsleistung, aber auch der Offenheit der jeweiligen Volkswirtschaft.

Die aktuellen Quoten-Berechnungen beziehen Daten des Jahres 2011 ein. Sie sind aber vorerst nur Fingerzeige für die künftige Entwicklung, weil die Anpassungen nicht automatisch vorgenommen werden. Vielmehr läuft das über turnusmässige Anpassungsrunden und mit Zeitverzug.

Derzeit wird in der IWF-Mitgliedschaft über die 15. Quotenüberprüfung, aber auch über die Überprüfung der Quotenformel selbst gestritten. Hier liegt der Fonds momentan etwas hinter seinem Zeitplan zurück.

Der IWF spielt unter anderem als Kreditgeber eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung von Wirtschafts- und Finanzkrisen rund um den Erdball. Derzeit ist er stark bei der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise engagiert, was aber innerhalb der IWF-Mitgliedschaft umstritten ist.

(tke/aho/sda)