Die Wahlkommission in Afghanistan hat den ehemaligen Finanzminister Aschraf Ghani zum künftigen Präsidenten des Landes erklärt. Sein Kontrahent bei der Stichwahl vom Juni, Ex-Aussenminister Abdullah Abdullah, wird eine Art Ministerpräsident in einer Einheitsregierung.

Der Chef der Wahlkommission, Jusuf Nuristani, machte am Sonntag in Kabul keine Angaben zum Wahlergebnis. Er vermied ebenfalls, einen Wahlsieger zu erklären. Nuristani folgte damit Forderungen von Abdullah, der die Wahl offenkundig verloren hat.

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Abdullah als «Chefverwalter»

Nach monatelangem Streit hatten sich Ghani und Abdullah am Sonntag auf eine gemeinsame Einheitsregierung geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass für den Zweitplatzierten bei der Wahl der Posten eines sogenannten Chefverwalters - eine Art Ministerpräsident - geschaffen wird.

Ausserdem werden hochrangige Ämter in Regierung, Verwaltung und Justiz zwischen den Lagern der beiden Kandidaten aufgeteilt. Nach amerikanischem Vorbild ist in Afghanistan der Präsident laut Verfassung zugleich Staats- und Regierungschef.

Mächtiger Wahlverlierer

Abdullah Abdullah hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Afghanistan zwar nicht gewonnen. Aber in der gemeinsamen Einheitsregierung wird der 54-Jährige trotzdem viel zu sagen haben.

Dennoch ist der Wahlausgang eine bittere Niederlage für den Ex-Aussenminister - der schon bei der Wahl 2009 gegen den nun scheidenden Präsidenten Hamid Karsai den Kürzeren zog.

Pyrrhussieg im ersten Wahlgang

Bei der ersten Wahlrunde im April war Abdullah, der in der Hauptstadt Kabul geboren wurde, der einzige Halbtadschike in dem Rennen. Alle anderen Bewerber gehören der grössten afghanischen Volksgruppe der Paschtunen an. Abdullahs Vater war ein Paschtune aus Kandahar, seine Mutter stammte aus dem Pandschir-Tal. Seine Anhänger rekrutieren sich vor allem aus der zweitgrössten Bevölkerungsgruppe der Tadschiken.

Der Augenarzt war ein Vertrauter des legendären Nordallianz-Führers Ahmad Schah Massud, der gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und später gegen die Taliban kämpfte, bevor er 2001 ermordet wurde. Bis 2006 war Abdullah Aussenminister unter Karsai.

Abdullah, Vater von vier Kindern, gilt als weltgewandt. Er spricht ausser den Landessprachen Paschtu und Urdu fliessend Englisch.

(sda/gku)