Oppositionsführer Tony Abbott hat die Parlamentswahl in Australien nach Einschätzung des staatlichen TV-Senders ABC klar gewonnen. Das konservative Bündnis habe kurz nach Schliessung der Wahllokale bereits ziemlich sicher 74 Sitze im Parlament in Canberra und werde eine Mehrheit bekommen, sagte der Wahlanalyst des Senders, Antony Green.

Abott machte sich gleich an die Arbeit.  Seine konservative Koalition schaffe als erstes die umstrittene CO2-Steuer und die Sondersteuer auf Megaprofite der Kohle- und Eisenerzindustrie ab, sagte Abbott. Das alles hemme nur Innovation und Wachstum. Die Rohstoffindustrie frohlockt. Sie stand im Wahlkampf hinter Abbott - wie das Zeitungsimperium von Medienunternehmer Rupert Murdoch, das zwei Drittel aller Auflagen in Australien kontrolliert.

Pragmatischer Nationalist

Der ehemalige Priesteranwärter und fromme Katholik Abbott hat ein stramm konservatives Programm vorgelegt: weniger Steuern, weniger Staatsausgaben, Nein zur Homo-Ehe, Nein zu illegalen Einwanderern. Er sei ein «pragmatischer Nationalist», sagt er. Die Entwicklungshilfe wird deutlich gekürzt, 12'000 Beamtenstellen werden gestrichen. Das ehrgeizige Breitband-Projekt zur Verkabelung aller Haushalte wird gekürzt - für die letzten Meter muss jeder Nutzer künftig selbst aufkommen. Gleichzeitig stellt Abbott Hafen- und Bergbauerweiterungen in Aussicht. Mütter sollen erstmals sechs Monate bezahlten Mutterschaftsurlaub erhalten.

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Nach Jahren als Klimawandel-Skeptiker («völliger Blödsinn») akzeptiert Abbott die wissenschaftlichen Analysen nun zwar offiziell. Er will Unternehmer aber nur mit Anreizen zur Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen ermuntern. Australien gehört wegen der umfangreichen Kohleindustrie - pro Kopf der Bevölkerung gemessen - zu den grössten Klimasündern der Welt. Den Wählern ist der Politiker Abbott allerdings bis heute nicht ans Herz gewachsen. In Umfragen nach persönlicher Popularität hat er stets schlechter abgeschnitten als Regierungschef Kevin Rudd. Weil Abbott mit altbackenen Ansichten, vor allem zur Rolle der Frau, immer wieder ins Fettnäpfchen trat, galt er lange als nicht wählbar.

Skeptische Politikwissenschaftler

Die Australier haben keinen Leidensdruck: Die Wirtschaft brummt seit 22 Jahren ununterbrochen, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Zinsen sind es auch. Der frühere Labor-Regierungschef Bob Hawke sprach am Samstag bei SkyNews aus, was viele dachten: «Die Regierung hat diese Wahlen mehr verloren, als dass die Opposition sie gewonnen hat.» Labor hat die Wähler mit Querelen und Ränkespielen vergrätzt.

Im Wahlkampf gelang es Abbott, zumindest die Sorge vor einem allzu radikalen Umschwung vom Tisch zu wischen: «Konservative verändern Dinge nicht leichtfertig», versicherte er. «Konservative eignen sich besser, Barrikaden zu verteidigen, als sie einzureissen», schrieb er in seinem Buch «Battlelines» (Kampflinien). Seine religiösen Überzeugungen - etwa gegen Abtreibung - hätten keinen Einfluss auf die Politik. Der Politikwissenschaftler Peter van Onselen beäugte den konservativen Kandidaten in der bürgerlich-konservativen Zeitung «Australian» dennoch skeptisch: «Abbott könnte ein Nichtstuer-Regierungschef werden», schrieb er. Verschwommen, zaghaft, minimalistisch sei sein Programm.

(sda/se)