Was will die Gold-Initiative?
Die Initianten um die beiden SVP-Nationalräte Lukas Reimann und Luzi Stamm sind verärgert, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) in den vergangenen 12 Jahren geschätzt über 1500 Tonnen Gold von ursprünglich 2600 Tonnen – rund 60 Prozent – verkauft hat. Und dies zum «historisch schlechtesten Preis», wie sie behaupten. Damit seien Volksvermögen in Höhe von 50 Milliarden Franken «sinnlos vertan».

Deshalb fordert die Initiative, dass die Nationalbank – erstens – kein weiteres Gold verkaufen darf und – zweitens – innert zwei Jahren ihre im Ausland lagernden Reserven in die Schweiz zurückholen muss. Zudem verlangt der Vorstoss, dass die SNB künftig 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold zu halten hat.

Was steckt hinter dem Vorstoss?
Die Initianten halten Gold im Gegensatz zu Fremdwährungen wie Dollar und Euro für sicher. Das Edelmetall soll auch in Krisenzeiten nicht an Wert verlieren. Zuletzt hielt die SNB indes nur noch 7,5 Prozent ihrer Aktiven von insgesamt rund 500 Milliarden Franken in Gold. Ein Viertel ihrer Devisenreserven von 462 Milliarden Franken hat sie in Dollar angelegt.

Wie sicher sind Gold, Dollar und Euro?

Gold steht mancherorts im Ruf sicher zu sein. Das ist jedoch nicht wahr. Ende September 2011 brachten die Initianten das Gold-Referendum auf den Weg. Zu dieser Zeit erreichte der Preis für das Edelmetall sein Allzeithoch, eine Feinunze kostete rund 1900 Dollar. Seitdem ist der Preis auf 1200 Franken abgesackt – ein Minus von knapp 37 Prozent.

Hätte die SNB das Anliegen der SVP-Politiker bereits 2011 beherzigt, hätte sie in den vergangenen Jahren massive Verluste einfahren müssen – mit entsprechend weniger Ausschüttungen. Wegen des gesunkenen Goldpreises machte die SNB auch im vergangenen Jahr einen Verlust von 15 Milliarden Franken und konnte überhaupt kein Geld an Bund und Kantone ausschütten. 

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Im Gegensatz dazu gewinnt der Dollar inzwischen wieder an Wert und ist mitverantwortlich, dass die Devisenreserven der SNB im vergangenen Monat um acht Millionen Franken zulegten – ohne, dass die Nationalbank ein einzige Note an Fremdwährung aufkaufte.

Was würde bei einer Annahme der Initiative passieren?
Die SNB müsste Gold im Wert von 60 Milliarden Franken ankaufen, um den geforderten Mindestanteil zu erreichen, wie Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf gestern ausführte. Um diesen Anteil danach zu halten, müsste sie bei jedem Ankauf von Fremdwährungen oder bei weiter sinkendem Goldpreis mehr Edelmetall in die Bilanz aufnehmen.

Sollte die SNB in den kommenden Jahren ihre Geldpolitik normalisieren und ihren hohen Bestand an Fremdwährungsreserven verkaufen wollen, würde Gold einen immer grösseren Posten in der Bilanz ausmachen. Die Gefahr eines Klumpenrisikos würde wachsen und womöglich die internationale Glaubwürdigkeit der Nationalbank gefährden. Paradox: Bei einem Mindestgoldanteil von 20 Prozent könnte die SNB bereits heute kaum mehr ihre Bilanzsumme auf das Vorkrisenniveau von Anfang 2008 reduzieren, als sie insgesamt bei 117 Milliarden Franken lag.

Was würde mit der Wechselkursuntergrenze passieren?
Im Herbst 2011 führte die SNB die Wechselkursuntergrenze zum Euro ein, um die Schweizer Exporteure zu unterstützen. Solche Interventionen wären künftig nur noch möglich, wenn die SNB gleichzeitig grosse Mengen Gold zukauft.

Die Denkfabrik Avenir Suisse hält es für «gut möglich, dass die Nationalbank unter dem Regime der Gold-Initiative nie zum Instrument der Wechselkursuntergrenze gegriffen hätte.» Damit jedoch, darin sind sich Fachleute und betroffene Unternehmen einig, bewahrte die SNB die Schweizer Volkswirtschaft vor grossen Schäden.

Ist der Goldstandard nicht ein Anker der Stabilität?
Für viele Menschen hat Gold eine geradezu magische Wirkung und gilt als Anker für Preisstabilität – vor allem angesichts der heutigen Geldflut der Notenbanken. Doch die Gold-Initiative bedeutet nicht die Rückkehr zum Goldstandard.

Abgesehen davon: Der Goldstandard war der Hauptgrund dafür, dass der Börsencrash von 1929 zu einer langen Weltwirtschaftskrise mit Millionen Arbeitslosen rund um den Globus auswuchs. Regierungen und Notenbanken mussten tatenlos zusehen, wie die Geldmenge sank. Dabei hätte die Wirtschaft frisches Geld gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Doch weil die Zentralbanken nicht genügend Gold besassen, konnten sie kein Geld in Umlauf bringen.

Aber hat das aktuelle Geldsystem noch eine Zukunft?
Die Welt ist unübersichtlicher als noch vor Jahren. Doch die Rückkehr zum Gold wird das nicht ändern. Mit der Kopplung der Politik an das Gold macht sich ein Land abhängig von der Marktentwicklung des Edelmetalls. Der Grundgedanke der Demokratie, dass Menschen eigene Entscheidungen treffen dürfen, ginge verloren.

Nach den Verwerfungen der Weltwirtschaftskrise, als Regierungen und Notenbanken tatenlos zusahen, wie die Weltwirtschaft ins Elend stürzte, nannte der Ökonom John Maynard Keynes den Goldstandard deshalb einmal ein «barbarisches Relikt». Vergleichbar würde auch die Gold-Initiative die Handlungsfähigkeit von SNB und Politik enorm einschränken.