Die Verkehrskommission des Nationalrats (KVF) hat sich im Grundsatz für den Bau eines zweiten Strassentunnels durch den Gotthard ausgesprochen. Sie hat die Verwaltung aber beauftragt, weitere Abklärungen zu einer Tunnelgebühr vorzunehmen.

In der Vernehmlassung war eine solche Gebühr mehrheitlich abgelehnt worden. Diese wäre rechtlich zwar möglich, würde aber eine Ungleichbehandlung des Tessins bedeuten. Im Ständerat, der den Bau einer zweite Röhre durch den Gotthard letzte Woche gutgeheissen hatte, war die Frage jedoch wieder aufgeworfen worden. Verkehrsministerin Doris Leuthard erklärte sich bereit, sich noch einmal damit auseinanderzusetzen.

Diesen Auftrag hat ihr die KVF nun mit 13 zu 10 Stimmen erteilt, wie die Parlamentsdienste am Dienstag mitteilten. Zuvor war sie mit 16 zu 9 Stimmen auf die Vorlage eingetreten, die den Bau eines zweiten Strassentunnels durch den Gotthard vorsieht.

Beide Röhren frühestens ab 2030

Der neue Tunnel soll die Alpentransit-Verbindung während der Sanierung des bestehenden Gotthard-Strassentunnels sicherstellen. Nach der Renovation, etwa ab 2030, könnten dann beide Röhren betrieben werden, jedoch nur einspurig. Die zweite Spur würde als Pannenstreifen dienen.

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Nach Ansicht der Mehrheit der KVF würde die Kapazität des Tunnels damit nicht erweitert, womit dem Alpenschutzartikel Genüge getan wäre. Die Gegner der zweiten Röhre zweifeln jedoch daran, dass sich das Verkehrsregime langfristig aufrecht erhalten lässt. Sie wiesen in der Kommission auch darauf hin, dass sich das Volk bereits zweimal gegen einen zweiten Gotthard-Strassentunnel ausgesprochen habe, drangen mit ihrem Nichteintretensantrag jedoch nicht durch.

Anbindung des Tessins sicherstellen

Für die Mehrheit überwiegen die Vorteile einer zweiten Röhre: Damit könne die Anbindung des Tessins über die Strasse sichergestellt werden. Dank richtungsgetrenntem Verkehr werde der Tunnel auch sicherer, und schliesslich sei der Bau einer zweiten Röhre und eine anschliessende Sanierung der bestehenden langfristig auch finanziell interessanter.

Über die Details der Vorlage will die Kommission im Juni beraten, wenn die Resultate aus der Verwaltung vorliegen. Die Vorlage soll voraussichtlich in der Herbstsession vom Nationalrat beraten werden.

(awp/vst/me)