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Gesundheit
Grenzgänger verlassen Schweizer Krankenkassen

Grenzgänger nahe Genf: Künftig keine Schweizer Krankenkasse.   Keystone

Frankreich zwingt in der Schweiz arbeitende Grenzgänger in die staatliche Krankenkasse «Sécurité sociale». Viele der Franzosen hatten bisher eine Schweizer Privatversicherung. In Genf gab es Proteste.

Veröffentlicht am 29.05.2014

In der Schweiz tätige Grenzgänger aus Frankreich müssen sich einem neuen Regime bei der Krankenkasse fügen. Bisher konnten sie sich in der Schweiz behandeln lassen und die Kosten über eine private Krankenversicherung abrechnen. Ab Juni müssen sie in die staatliche «Sécurité sociale»

Der Zwangswechsel betrifft ungefähr 90 Prozent der 170'000 Grenzgänger, die in die Schweiz arbeiten kommen. Sie hatten seit über 50 Jahren in Frankreich die Wahl zwischen der privaten Krankenversicherung, der «Sécurité social» oder einer Krankenversicherung in der Schweiz.
Sie entschieden sich zumeist für die private Krankenversicherung in Frankreich, weil die Prämien weniger kostspielig waren und sie sich dadurch auch in der Schweiz behandeln lassen konnten. Paris streicht die Wahlfreiheit in Frankreich nun per Juni.

Proteste in Grenzregionen

Alle Grenzgänger, die sich privat versicherten, müssen sich neu der staatlichen Krankenversicherung anschliessen. Das Vorgehen sorgte für grossen Unmut, auch weil jene Grenzgänger betroffen sind, die bereits eine Krankenversicherung in Frankreich abgeschlossen haben.

Neue Grenzgänger haben auch künftig die Wahl, sich in der Schweiz oder Frankreich versichern zu lassen. Die Grenzgänger protestierten in den grenznahen Regionen heftig.

Im Jura blockierten sie wegen den Änderungen Grenzübergänge. Im Februar kam es in der elsässischen Grenzstadt Saint-Louis bei Basel deswegen zu Protestaktionen, die zu Staus führten. Auch in Annemasse bei Genf gab es Demonstrationen.

Die Grenzgänger forderten lautstark, dass die Wahlfreiheit erhalten bleibt. Die französische Regierung machte aber nur einige Zugeständnisse, nach denen Behandlungen in der Schweiz noch möglich bleiben, allerdings nur unter Einschränkungen.

Übergangsprämie für Grenzgänger

Wer mindestens eine Nacht in einem Schweizer Spital bleiben muss, braucht vorherig eine Bewilligung der «Sécurité social«. Die Behandlungen in der Schweiz werden einzig zu Tarifen der «Sécu» rückerstattet.

Bis am 31. Dezember 2015 gilt für die Grenzgänger noch eine Übergangsprämie von 6 Prozent. Danach wird die Quote schrittweise bis auf 8 Prozent steigen. Die Prämien werden nach dem steuerlichen Einkommen berechnet.

Die Genfer Universitätsspitäler (HUG) befürchteten wegen der neuen Regeln einen Rückgang an Patienten. Sie richteten eine Hotline ein, um Grenzgängern dringende Fragen zu beantworten.

(sda/me)

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