Ein Schnitt im Umfang von 100 Milliarden Euro bei den griechischen Staatsschulden würde das Land in die Lage versetzen, seine Verbindlichkeiten in Übereinstimmung mit den Vorgaben der internationalen Gläubiger zu bringen. Das sagte Matthieu Pigasse von Lazard, dem Schuldenberater Griechenlands, am Dienstag in einem Radiointerview.

Ein Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt von 120 Prozent im Jahr 2020 sei «ein Ziel, das für mich vertretbar aussieht und das es Griechenland effektiv ermöglicht, auf eine tragfähige Grundlage zu kommen», sagte Pigasse, der Leiter des Beratungsgeschäfts für Staaten bei Lazard, gegenüber dem Radiosender «France Inter». Es sei absolut notwendig, Bemühungen zu unternehmen, und die Verhandlungen liefen, sagte er weiter.

Höchste Schuldenlast Europas

Europäische Spitzenpolitiker hatten den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras am Montag gedrängt, seine Ambitionen mit Blick auf finanzielle Erleichterungen für seine Landsleute etwas zurückzufahren. Die griechische Staatsverschuldung liegt derzeit bei über 320 Milliarden Euro, das entspricht 175 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Damit hat Griechenland die höchste Schuldenquote in Europa.

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Die Schulden könnten Pigasse zufolge auf unterschiedliche Weise erlassen oder verringert werden. «Griechenland befindet sich in einer finanziellen Notlage. Es erlebt eine humanitäre Krise, wie sie Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr kennt», sagte Pigasse. «Der Sparkurs, der dem Land von der Troika, das heisst, dem Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und den europäischen Staaten auferlegt wurde, hat zu einem regelrechten Desaster geführt.»

Kurse von Staatsanleihen steigen

Die Kurse der griechischen Staatsanleihen sind am Dienstag erstmals seit vier Tagen wieder gestiegen. Die Rendite der zehnjährigen Papiere lag gegen Mittag um 34 Basispunkte niedriger bei 10,08 Prozent. Am Aktienmarkt legte der ASE Index der Börse Athen um zwei Prozent zu.

(bloomberg/ise)