Sollte Griechenland am Dienstag die fälligen 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds nicht zahlen, könnte dies für den Gläubiger schlimmer sein als für Griechenland selbst.

Es besteht ein Unterschied, ob eine Zahlung an einen Anleiheinvestor verpasst wird oder an eine offizielle Institution wie den IWF. Für den Währungsfonds sind Länder, die eine Zahlung nicht leisten, «in Verzug». Diese Bezeichnung wird der IWF auch weiterhin verwenden und nicht von einem «Ausfall» sprechen, erklärte Währungsfonds-Sprecher Gerry Rice am Donnerstag.

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Ruf des IWF leidet

Auch die drei grossen Ratingagenturen haben bestätigt, dass es nicht einem formellen Ausfall gleichkäme, wenn der IWF nicht bezahlt werde. Für Griechenland könnten die Konsequenzen eines solchen Zahlungsversäumnisses also zeitlich begrenzt und relativ gering sein, solange das Land die Gespräche mit seinen Gläubigern fortsetzt.

Etwas stärker könnte jedoch der Ruf des IWF als Kreditgeber letzter Instanz angeschlagen werden, wodurch es für den Währungsfonds bei künftigen Rettungsaktionen schwerer werden könnte, Unterstützung zu erhalten.

Nicht das erste Land

«Es wird zu einer sehr genauen Überprüfung von Interventionen kommen, wenn es um Länder geht, die für sich als wohlhabend gelten oder Teil umfassenderer geo-wirtschaftlicher Strukturen wie der Eurozone sind«, sagte Benn Steil, Director beim Council on Foreign Relations in New York.

Sollte Griechenland tatsächlich nicht bezahlen, kann sich das Land mit Zimbabwe, dem Sudan und Somalia in eine Reihe stellen, die insgesamt mit etwa 1,8 Milliarden Dollar beim IWF im Rückstand sind.

EZB-Schulden haben mehr Folgen

Grössere Sorgen bereite die Anleihe über 3,5 Milliarden Euro, die von der Europäischen Zentralbank gehalten wird und am 20. Juli fällig wird, sagte Alberto Gallo, Anleiheanalyst der Royal Bank of Scotland Group Plc in London. «Wenn eine Zahlung an die EZB nicht geleistet wird, könnte als Konsequenz unter Umständen die Notfall-Liquidität für griechische Banken eingefroren werden», erklärte er.

Beim IWF ist der Prozess im Falle eines Zahlungsverzugs langwierig und komplex. Sobald ein solches Versäumnis eintritt, schickt der IWF eine Aufforderung an das Land, dass die Zahlung «prompt» erfolgen soll, wie aus einer Überprüfung der IWF- Strategie zu überfälligen Zahlungen aus dem Jahr 2012 hervorgeht. Solange dies nicht geklärt ist, kann das Land auch keine weiteren Hilfsmittel erhalten.

Mühlen mahlen langsam

Zwei Wochen nach der Versäumnis nimmt das Management Kontakt zum IWF-Gouverneur des betreffenden Landes auf - gewöhnlich ist dies der Zentralbankchef oder der Finanzminister - und betont, wie ernst die Lage ist und dass eine «vollständige und prompte» Zahlung nötig ist.

Nach einem Monat teilt IWF-Chefin Christine Lagarde ihrem Direktorium dann mit, dass eine Zahlung nicht geleistet wurde. Nach drei Monaten veröffentlicht der Währungsfonds eine kurze offizielle Stellungnahme zu dem Verzug auf seiner Webseite. Innerhalb von zwei Jahren kann der IWF den Herauswurf Griechenlands aus der Reihe seiner Mitglieder einleiten.

Veraltetes System

«Diese Prozeduren sind in gewisser Weise so gestaltet worden, dass die Tür nicht sofort zugeschlossen und der Schlüssel weggeworfen wird. Es ist ein sehr langwieriger Prozess», sagte Edwin Truman, früheres Mitglied des US- Finanzministeriums und Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics in Washington. «Sie stammen noch aus einer Zeit als die Finanzmärkte noch nicht im Sekundentakt liefen.»

(bloomberg/mbü)