Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kommt morgen Mittwoch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EZB-Chef Mario Draghi und IWF-Direktorin Christine Lagarde zusammen, um über eine Lösung der Schuldenkrise zu beraten. Dies teilte das Amt von Tsipras am Dienstagabend mit. Das Treffen in Brüssel solle am Mittag beginnen, nur wenige Stunden vor Beratungen der Eurogruppen-Finanzminister.

Derzeit prüfen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationaler Währungsfonds (IWF) die Reformvorschläge der Regierung in Athen. Die Finanzminister entscheiden am Mittwoch über die Auflagen für weitere Milliardenhilfen. Die Grundlagen dafür hatten die Regierungschefs der Euro-Zone Montagnacht gelegt. Am Donnerstag und Freitag folgt ein EU-Gipfel. Gelingt keine Einigung, verfallen die Milliardenhilfen aus dem in einer Woche endenden Hilfspaket - damit stünde eine Staatspleite kurz bevor.

Bei einem Deal fliesst rasch Geld

Angesichts dieser drohenden Staatspleite will sich die Eurogruppe um eine umgehende Finanzierung Griechenlands kümmern. Falls es am Mittwoch eine Vereinbarung auf ein Spar- und Reformpaket gebe, könnten möglicherweise 1,9 Milliarden Euro aus Anleihegewinnen der Europäischen Zentralbank (EZB) relativ rasch fliessen, hiess es am Dienstag in Brüssel. Entscheidungen dazu gebe es noch nicht.

Griechenland steht unter hohem Druck, denn am Dienstag kommender Woche (30.6.) müssen rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezahlt werden. Viele trauen dem Krisenland nicht mehr zu, den hohen Betrag zu stemmen.

Die 1,9 Milliarden Euro stammen aus Gewinnen, die die EZB mit angekauften griechischen Staatspapieren (sogenanntes SMP-Programm) gemacht hat. Das Geld wird über die Staatskassen an Athen zurückgegeben. Die Gewinne gehören zu den insgesamt 7,2 Milliarden Euro Hilfen, die wegen einer fehlenden Abmachung im Schuldenstreit seit langem blockiert sind. Die SMP-Gewinne könnten auch relativ einfach freigegeben werden.

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Auch EZB könnte einspringen

Eine weitere Variante, um Athen mehr finanziellen Spielraum zu verschaffen, wäre eine Anhebung der Obergrenze für die Ausgabe von kurzfristig laufenden Staatsanleihen in Griechenland, den sogenannten T-Bills. Dafür ist die EZB zuständig.

(reuters/apw/mbü)