- Antonis Samaras (Neue Demokratie): Der 61-jährige Ökonom dürfte der grosse Gewinner der Parlamentswahl am Sonntag werden. Allerdings wird seine konservativ-bürgerliche Partei wohl nicht die absolute Mehrheit erreichen. Samaras hat sich zwar zu den Reformzusagen bekannt, die die internationalen Kreditgeber für die zwei Rettungspakete eingefordert hatten. Er kündigte für den Fall eines Wahlsiegs jedoch auch Steuererleichterungen und Rentenerhöhungen sowie Hilfen für kinderreiche Familien und Bauern an. Er versprach, die griechischen Städte aus den Händen von Einwanderern "zurückzuerobern" und Kindern von Immigranten den Erwerb der Staatsbürgerschaft zu erschweren. Samaras war Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre kurzzeitig als Finanz- und Aussenminister. Nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei den Wahlen 2009 wurde Samaras Vorsitzender der Neuen Demokratie.

- Evangelos Venizelos (PASOK): Der 55-jährige Professor für Verfassungsrecht steuerte Griechenland neun Monate lange als Finanzminister durch die Schuldenkrise. Er war für das zweite Rettungspaket und den bislang grössten Schuldenschnitt der Geschichte verantwortlich. Der Sozialist will zwar auch an den Bedingungen der Rettungspakete festhalten, hat sich aber gegen weitere Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst ausgesprochen. Er will das Steuersystem Griechenlands reformieren und sich für die Verlängerung des Reformultimatums des Sparprogramms um ein Jahr auf 2015 einsetzen.

- Alexis Tsipras (Linke Koalition): Mit 38 Jahren ist Tsipras der jüngste Parteichef Griechenlands. Der Ingenieur will die Rettungspakete aufkündigen, einen Grossteil der Schulden abschreiben, die Banken verstaatlichen und die zuletzt drastisch gekürzten Renten und Gehälter wieder erhöhen. Die Mitgliedschaft Griechenlands in der Europäischen Union und der Eurozone stellt Tsipras allerdings nicht infrage.

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- Panos Kammenos (Unabhängige Griechen): Gemeinsam mit anderen Dissidenten der Neuen Demokratie gründete der 47-jährige Ökonom die nationalistische Partei Unabhängige Griechen. Seine Reden würzt Kammenos mit rechtspopulistischer Rhetorik und Verschwörungstheorien über Freimaurer, die Griechenland "auslöschen" wollten. Politiker, die die Rettungspakete und die damit verbundenen Reformen unterstützen, bezeichnet er als Verräter. Dennoch versteht Kammenos seine Partei als pro-EU.

- Aleka Papariga (Kommunistische Partei Griechenlands): Die 67-Jährige hat bereits vor der Wahl die Zusammenarbeit mit allen anderen Parteien des Landes ausgeschlossen. Papariga will aus der EU und der Eurozone aussteigen sowie alle Schulden des Landes einseitig abschreiben. Die Kommunistische Partei wurde 1918 gegründet und ist damit der älteste politische Verband des Landes. Als erste Frau wurde Papariga 1991 an die Spitze der Partei gewählt.

- Fotis Kouvelis (Demokratische Linke): Der Anwalt führt die gemässigtste der drei linksgerichteten Parteien und könnte eine Koalition mit der Neuen Demokratie und der PASOK eingehen. 1989 war Kouvelis drei Monate lang Justizminister. Der heute 63-Jährige verliess 2010 die Linke Koalition, um eine stärker auf die EU ausgerichtete Partei zu gründen, die entschieden für einen Verbleib in EU und Eurozone eintritt.

- Nikolaos Michaloliakos (Goldene Morgendämmerung): Die rechtsextreme Partei des 55-Jährigen macht vor allem mit fremdenfeindlichen Parolen Wahlkampf. Das Symbol der Partei erinnert an ein Hakenkreuz. Die Partei lehnt die Reformzusagen aus den Rettungspaketen ab und plant die einseitige Abschreibung der griechischen Schulden.

- Dora Bakoyannis (Demokratische Allianz): Bakoyannis gehörte einst zum Führungszirkel der Neuen Demokratie, der ihr Vater von 1984 bis 1993 vorstand. Nachdem sie 2009 bei der Wahl um den Parteivorsitz scheiterte, gründete sie mit einigen Abgeordneten die Demokratische Allianz. Die heute 58-Jährige war die erste Aussenministerin Griechenlands und Bürgermeisterin von Athen. Sollte ihre Partei die Drei-Prozent-Hürde nehmen, könnte die Allianz eine pro-EU Koalition mit der Neuen Demokratie und der PASOK eingehen.

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(chb/sda)