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Griechenland: Einigung mit Banken rückt näher

In welchem Zustand befinden sich die Bücher Griechenlands? (Bild: Keystone)

Die Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und den Banken biegen in die Zielgerade ein. Offenbar steht eine Einigung um den benötigten Schuldenschnitt kurz bevor.

Veröffentlicht am 20.01.2012

In Griechenland sollen die Verhandlungen um den dringend erforderlichen freiwilligen Schuldenschnitt bald abgeschlossen werden. Wie ein Regierungssprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärt, soll der Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, am Freitagnachmittag erneut mit Ministerpräsident Lucas Papademos zusammenkommen.

Bereits am Vorabend hatte sich Dallara mit dem Regierungschef und Finanzminister Evangelos Venizelos getroffen. Die Gespräche seien «produktiv» gewesen und es habe «Fortschritte» gegeben, teilten der IIF und das Finanzministerium in Athen mit.

Die privaten Gläubiger, darunter Banken und Hedge-Fonds, sollen bestehende Anleihen in neue tauschen, dabei auf Teile ihrer Forderungen verzichten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen. Am Freitagmorgen liefen alle Informationen aus Bankkreisen auf einem Zinssatz von 3,5 bis 4,6 Prozent hin. Die Laufzeit solle 30 Jahre betragen. In den ersten Jahren soll der Zinssatz niedriger sein. Stufenweise soll er steigen. Dies soll abhängen vom Wachstum, das Griechenland haben wird - falls die Wirtschaft überhaupt wieder wächst.

Hedge Fonds gehen auf Barrikaden

Der Schuldenschnitt solle nach Berechnungen griechischer Finanzexperten mit diesen Zinssätzen etwa 68 Prozent des ursprünglichen Wertes der Anleihen erreichen und würde damit klar über dem eigentlichen Wert von 50 Prozent liegen. Offizielle Stellen wollten diese Informationen nicht kommentieren.

Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen die privaten Gläubiger freiwillig schultern. Ihr Engagement ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. Doch vor allem Hedge-Fonds sollen sich weigern mitzumachen. Sie planen Medienberichten zufolge sogar eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, um ihr «Eigentumsrecht» geltend zu machen.

Troika prüft die Bücher

In Athen setzen unterdessen Vertreter der Geldgeber die Prüfung der Bücher fort. Am Freitag kamen auch die Chefs der sogenannten «Troika» hinzu. Die Vertreter der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) trafen sich schon am Vormittag mit Finanzminister Venizelos. Anschliessend sind für die nächsten Tage Treffen mit fast allen Ministern vorgesehen. Ohne das grüne Licht der "Troika" kann Athen nicht auf weitere Finanzspritzen hoffen. Die Experten prüfen in regelmässigen Abständen, welche Fortschritte Athen bei der Umsetzung der Auflagen für die internationalen Kredithilfen gemacht hat. Athen sei dem Vernehmen nach im Rückstand in Sachen Verschlankung des Staates.

(muv/ste/awp)

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