Mit der wachsenden Pleitegefahr für Griechenland hat sich der Abfluss von Kundengeldern bei den Banken des Landes zuletzt dramatisch beschleunigt. In den ersten drei Tagen der Woche seien von Kunden Einlagen von insgesamt rund zwei Milliarden Euro abgehoben worden, hiess es aus Bankenkreisen in der griechischen Hauptstadt. Auch am Donnerstag seien erneut eine Milliarde Euro abgehoben worden.

Damit habe sich das Tempo der täglichen Abhebungen verdreifacht. Bevor die Expertengespräche zur Beilegung des Schuldenstreits am Wochenende abgebrochen wurden, waren pro Tag zwischen 200 und 300 Millionen Euro von Bankkunden abgehoben worden.

1,5 Prozent der gesamten Guthaben

Die Abhebungen im Zeitraum von Montag bis Mittwoch entsprechen einem Anteil von rund 1,5 Prozent der gesamten Guthaben von privaten und Firmenkunden bei griechischen Geldinstituten. Diese beliefen sich Ende April auf 133,6 Milliarden Euro.

Zwischen Oktober und April hat die anhaltende Griechenland-Krise die Geldhäuser des Landes rund 30 Milliarden Euro an Kundeneinlagen gekostet.

«Banksystem ist stark»

Die griechische Regierung hat die Medienberichte über eine immer rasantere Kapitalflucht und eine mögliche Schliessung der Banken als Versuch einer Destabilisierung des Landes kritisiert. Mit solchen Berichten werde zudem der Druck auf die Regierung erhöht, die Reform- und Sparforderungen der Gläubiger zu akzeptieren, hiess es am Donnerstag in Regierungskreisen.

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In Athen machten wilde Gerüchte die Runde, die griechischen Banken könnten wegen Liquiditätsproblemen in Kürze schliessen. Die Regierung musste schon zuvor die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen dementieren. «Die Geldeinlagen sind gesichert und das Banksystem ist stark», meinte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis. Das staatliche Fernsehen ERT berichtete jedoch am Abend, die griechische Notenbank habe bei der Europäischen Zentralbank drei Milliarden Euro extra angefordert.

(reuters/awp/dbe/mbü)