Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, geht nach der Zuspitzung der griechischen Finanzkrise hart mit der Regierung in Athen ins Gericht. Sie wirft der linksgerichteten Führung indirekt Unvernunft vor.

«Angesichts des Masses an Unsicherheit, Verwirrung und ständiger Bewegung wäre aus meiner Sicht weiterhin ein bisschen mehr Erwachsensein erforderlich», sagte Lagarde am Mittwoch dem US-Fernsehsender CNN.

«Eindeutig keine gute Entwicklung»

Dass Griechenland gegenüber dem IWF in Zahlungsverzug geraten sei, sei «eindeutig keine gute Entwicklung». Schliesslich hindere dies den Fonds derzeit daran, Griechenland weitere Hilfen zukommen zu lassen.

Voraussetzung für weitere Hilfen seien weitere tiefgreifende Reformen, wie der IWF und die EU sie von Athen gefordert hatten, hob Lagarde hervor. «Das sind strukturelle Reformen, steuerliche Anpassungen, um sicherzustellen, dass das Land auf einem nachhaltigen Weg ist», fügte die IWF-Chefin hinzu.

«Länder müssen harte Massnahmen ergreifen»

Die Mitgliedstaaten des IWF wollen laut Lagarde, dass die Krise und die derzeitige Unsicherheit beendet würden. Sie seien aber «auch sehr bedacht darauf, dass diese Angelegenheit auf eine faire Weise geregelt wird, und sie sehen keinen Grund, warum es einen Sonderfall oder eine Sonderbehandlung geben sollte».

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«Ob man nach Irland oder Portugal in der Eurozone schaut oder in andere Länder auf anderen Kontinenten, diese Situationen kommen vor, Länder müssen harte Massnahmen ergreifen», mahnte Lagarde.

Bei den reichsten ansetzen

Zugleich zeigte die IWF-Direktorin Mitgefühl mit den Nöten der breiten griechischen Bevölkerung. Die von den Gläubigern geforderte stärkere Eintreibung von Steuern müsse vor allem bei den reichsten Griechen ansetzen.

«Auf der anderen Seite muss natürlich ein soziales Sicherheitsnetz schrittweise aufgespannt werden», fügte Lagarde hinzu. Trotz des Zahlungsrückstands der griechischen Regierung engagiere sich der IWF weiter für das Land - «das ist die Mission des Fonds».

Langwieriger Entscheid über Aufschub

Griechenland war in der Nacht als erstes Industrieland beim IWF in Zahlungsverzug geraten. Athen liess die Frist für eine fällige Rückzahlungsrate von rund 1,5 Milliarden Euro verstreichen, hatte vorher aber einen Antrag auf nochmalige Verschiebung der Zahlungsfrist gestellt. Wie es aus Kreisen des Fonds hiess, wird darüber «in den kommenden Wochen» entschieden.

Auch das Hilfsprogramm der EU liess Athen am Mittwoch auslaufen. Weil es nicht auf die Forderungen der Gemeinschaft einging, verfielen somit Milliardenhilfen.

(sda/dbe/chb)