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Griechenland-Touristen bunkern Geld im Tresor

Strandszene: Die Schuldenkrise verunsichert viele Touristen. Keystone

Der Schuldenstreit um Griechenland setzt dem Tourismus im Land zu. Wegen der politischen Probleme buchen Reisefreudige ihre Ferien anderswo. Und jene die dennoch kommen treffen Vorsichtsmassnahmen.

Veröffentlicht am 22.06.2015

Der griechische Hotelketten-Manager Kostas Dimitrokalis hat in diesen Tagen von seinen Kunden Anfragen betreffend Ausstattungen erhalten, die normalerweise im Zeitalter von Kreditkarten und Internet ignoriert werden: sichere Hotelsafes, um dort Bargeld zu lagern.

«Kunden wollen sich sicher fühlen, dass sie für den Fall, dass etwas passiert, Zugang zu Geld haben», erklärt Dimitrokalis im Interview mit Bloomberg. Er ist Chef von KD Hotels - einer Kette mit sechs Ressorts auf Santorin in der südlichen Ägäis. «Sie reisen mit mehr Bargeld an.»

Weniger Buchungen

Kunden dabei zu helfen, sich sicher zu fühlen, ist etwas, was Dimitrokalis durchaus leisten kann. Was ihm allerdings mehr Kopfzerbrechen bereitet, ist die Möglichkeit, dass sie gar nicht erst nach Griechenland anreisen.

Auch wenn seine Hotels im Moment recht voll sind, sehen die zukünftigen Buchungen laut Dimitrokalis im Moment eher schwach aus. Dahinter würden offenbar Sorgen um die weitere Finanzierung des Landes stehen.

Das ist eine Einschätzung, die so ähnlich auch von der griechischen Urlaubsbranche als Ganzes zu hören ist. Der Verband griechischer Touristik-Unternehmen hatte im vergangenen Monat erklärt, dass es nach einem starken Jahresstart zuletzt wieder schwächer ausgesehen habe. In der vergangenen Woche wollte der Verband angesichts des Streits zwischen Griechenland und seinen Gläubigern keine neuen Angaben machen, weil «die Situation im Moment einfach zu sehr in Schwebe ist».

Tourismus stützt Wirtschaft

Der Fremdenverkehr leistet einen Beitag von 17 Prozent zum Bruttoinlandprodukt von Griechenland. Das bedeutet, sollte es in dieser Branche zu einer Abschwächung kommen, würde das die Wirtschaft des Landes relativ hart treffen.

Vor den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern in den vergangenen Wochen war das Land auf dem besten Weg, einen neuen Rekordwert bei den Besucherzahlen aufzustellen - im ersten Quartal stieg die Zahl der Touristen um 46 Prozent auf 1,73 Millionen. Das geht aus aktuellen Daten der griechischen Zentralbank hervor.

Experte rät zur Planung

TUI AG, der grösste Pauschalreise-Anbieter in Europa, sagte auf Nachfrage von Bloomberg, dass das Unternehmen nur hin und wieder Anfragen von Kunden dazu erhalten, welche Auswirkungen ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone haben werde. Der Konkurrent Thomas Cook Group Plc sieht nach eigenen Angaben noch immer eine starke Nachfrage nach Reisen in das Land. Beide Unternehmen versicherten, dass Urlauber nicht betroffen sein würden, weil sie Pauschalreisen verkaufen.

Der Ratschlag von Reise-Experten für Urlauber, die sich nach Griechenland aufmachen, ist, sich über die jüngsten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten und genügend Geld für drei bis vier Tage mitzubringen - nur für den Fall der Fälle, sagt David Swann, ein Sprecher von Travelex. Die Firma ist auf Devisen für Urlauber spezialisiert. «Unsere Rat für Leute, die einen Urlaub in Griechenland planen: Lassen Sie Vorsicht walten», erklärt er.

Wagemutige Touristen

Die Griechen hoffen indes auf mehr Urlauber wie Elizabeth Sinclair. Die 28-jährige New Yorkerin hatte den Warnungen von anderen, nicht in das Krisenland zu fahren, die kalte Schulter gezeigt. Am Dienstag vergangener Woche war sie in Athen gelandet, von wo aus es mit zwei Freunden auf verschiedene griechische Inseln gehen sollte.

«Einige Leute haben uns definitiv gewarnt, nicht zu fahren. Aber das haben wir einfach ignoriert», berichtet Sinclair. Sie hat nach eigenen Angaben keine Extra- Vorsichtsmassnahmen für die Reise nach Europa getroffen. «Wir wollten schon immer mal nach Griechenland kommen.»

Freundin Laura Nagy, die mit ihr reist, sieht sogar einen potenziellen Vorteil in der aktuellen Situation. Vieles ist «billiger», sagt sie. «Die Leute werden sich verzweifelter nach meinem Geld reissen.»

(bloomberg/mbü)

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