Der Chef der griechischen Linkspartei Syriza, Alexis Tsipras, hat die Debatte über einen Euro-Austritt des Landes als Schreckgespenst bezeichnet. Der konservative Regierungschef Antonis Samaras und seine Hinterleute benutzten dieses Schreckgespenst, um die Wähler zu terrorisieren, sagte Tsipras am späten Sonntagabend. Dies werde ihnen nicht gelingen.

Anlass für die Debatte ist die vorgezogene Parlamentswahl in Griechenland Ende Januar, bei der die linke Syriza-Partei stärkste Kraft werden könnte. Tsipras fordert eine Abkehr vom strikten Sparkurs und Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit den internationalen Gläubigern.

Seine künftige Regierung werde hart mit den verhandeln, sagte der Oppositionsführer. Die Griechen könnten keine Sozialkürzungen mehr ertragen. Einseitige Massnahmen werde es von seiner Seite nicht geben. «Es sei denn, wir werden dazu gezwungen», fügt Tsipras doppeldeutig hinzu.

«Über die Eurozone entscheidet allein Griechenland»

Samaras hingegen warnt die Griechen immer wieder davor, ohne die Einhaltung des Reformprogramms werde Griechenland nicht aus der Rezession heraus kommen und nie an die Finanzmärkte gehen können. Athen brauche auf den letzten Kilometern des Marathonlaufs zum Ende der Finanzkrise noch die Hilfe seiner Partner, meint Samaras. Er hebt hervor, dass sein Hauptkontrahent Tsipras das Land zum Austritt aus der Eurozone führen werde.

Ein Verbleib Griechenlands in der Eurozone liegt aus Sicht des französischen Präsidenten François Hollande in der Hand des Landes. «Über die Eurozone entscheidet allein Griechenland», sagte Hollande am Montag im französischen Sender France Inter.

Anleger sind verunsichert

Anleger reagierten am Montag  verunsichert auf die Debatte. Der Leitindex der Athener Aktienbörse fiel um 2,6 Prozent und hat damit seit der überraschenden Ankündigung vorgezogener Präsidentenwahlen Anfang Dezember mehr als 20 Prozent eingebüßt.

Griechische Staatsanleihen warfen Investoren am Montag ebenfalls aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf bis zu 9,546 Prozent von 9,256 Prozent am Freitag. Die dreijährigen Papiere rentierten sogar bei 12,687 Prozent. Dies gilt als Krisensignal, da üblicherweise Papiere mit einer längeren Laufzeit höher verzinst werden als kürzer laufende.

Treffen zwischen Frankreich und Deutschland

Angestossen hatte die Diskusion eine Aussage der deutschen Regierung. Der «Spiegel» hatte am Wochenende unter Berufung Kreise gemeldet, die Bundesregierung halte einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone inzwischen für hinnehmbar. Die deutsche Regierung wies Spekulationen anschliessend aber zurück, sie habe ihre Haltung zu einem Austritt Griechenlands aus dem Euro grundsätzlich geändert.

Frankreichs Staatschef kündigte für Sonntag ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Strassburg an. Dabei solle es auch um die Zukunft Europas und die deutsch-französischen Beziehungen gehen.

(awp/sda/me/ama)