Wer sind die grössten Steuersünder in Europa? Nach über vier Jahren Euro-Krise scheint die Antwort vielen Beobachtern klar: die Griechen. So sahen es in der Vergangenheit vor allem viele deutsche Politiker und Medien. Das Land müsse von Grund auf reformiert werden, lautete einer der vielen Forderungen aus der grössten Wirtschaft Europas. Doch mit dem Fall Hoeness wendet sich das Blatt – zumindest für die Griechen selbst.

Denn dort herrschte in den vergangenen Tagen eine gehörige Portion Schadenfreude darüber, dass ausgerechnet eine der prominentesten deutschen Persönlichkeiten im Ausland nun wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Zudem seien viele Griechen irritiert gewesen darüber, dass Hoeness auf eine Revision verzichtete und dieser Schritt öffentlich als heroische Geste aufgenommen wurde, schreibt nun der in Griechenland für die Tageszeitung «Kathimerini» arbeitende Nikos Konstandaras in einem Kommentar für die «New York Times».

Bewusstsein über Steuerflucht nehme zu

Geht es nach Konstandaras wäre der Fall Hoeness in Griechenland in diesem Ausmass erst gar nicht passiert. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Griechen so steuerehrlich seien. Vielmehr führt Konstandaras als Gründe dafür die Inkompetenz und Korruptheit der griechischen Steuerbehörden in den vergangenen Jahren an. Die Verfolgung von Steuersündern in Griechenland sei in den vergangenen Jahren so zahnlos gewesen, dass Griechen ihr Geld erst gar nicht bei Schweizer Banken hätten verstecken müssen.

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Dies, so schreibt Konstandaras, ändere sich derweil aber. Das Bewusstsein der Griehen über Steuerflucht nehme zu. Die öffentliche Meinung verschiebe sich dahin, dass Steuerflucht als schädlich für die Gesellschaft angesehen werde. Das liegt auch an den neuen Vorgaben der Troika von Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank. Bis es so weit ist, glaubt Konstandaras, dürften aber noch viele seiner Landsleute ihre Genugtuung über den Fall Hoeness kundtun.