Der Überschuss an Zuwanderern nach Grossbritannien ist erstmals seit zwei Jahren zurückgegangen. Das geht aus Schätzungen des der britischen Statistikbehörde ONS (Office for National Statistics) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

Jedes Jahr wandern Hunderttausende Menschen mehr nach Grossbritannien ein als aus. Diese Zahl war in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Nun ist sie zurückgegangen. Demnach sank der Überschuss an Einwanderern innerhalb eines Jahres bis September 2016 um 49'000 auf 273'000 Menschen. Die britische Regierung hat das Ziel ausgegeben, den Einwanderungsüberschuss unter 100'000 zu drücken.

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EU-Zuwanderer machen die Mehrheit aus

Der grösste Anteil der Zuwanderer stammte mit 165'000 weiter aus der Europäischen Union. Aber auch deren Anteil sank um 6000 gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig nahm die Zahl der Bürger aus ost- und mitteleuropäischen EU-Staaten, die Grossbritannien wieder verliessen, stark zu.

Im Juni 2016 hatte sich eine knappe Mehrheit in einer Volksbefragung für den Austritt Grossbritanniens aus der EU ausgesprochen. Die Gegner des europäischen Staatenbundes hatten im Wahlkampf unter anderem mit einer drastischen Begrenzung der Zuwanderung vor allem aus osteuropäischen EU-Staaten geworben und lehnen die Reisefreiheit der EU-Bürger ab.

May verspricht eine schwächere Zuwanderung

Premierministerin Theresa May hat das Ziel ihres Vorgängers David Cameron übernommen, die Netto-Zuwanderung auf unter 100'000 Menschen zu senken und durch den EU-Austritt wieder die volle Kontrolle über die Zuwanderung zurückzugewinnen. Einwanderungsminister Robert Goodwill nannte auf Sky TV die neuen Zahlen sehr ermutigend. Er hoffe, dass weitere Fortschritte auf dem Weg zum Ziel der 100'000 erreicht würden.

Nach Angaben des Statistikamtes stieg die Zahl der Rückkehrer nach Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn, Estland, Lettland und Litauen gegenüber dem Vorjahr um 12'000 auf 39'000. Hingegen gab es einen starken Zuzug aus Bulgarien und Rumänien um 19'000 Menschen auf die Rekordzahl von 74'000. Angesichts dieser Zahlen sei es noch zu früh für eine valide Bewertung, welchen Auswirkung das Brexit-Votum auf die langfristige Zuwanderung habe, sagte Nicola White vom Statistikamt.

(sda/mbü/cfr)