Einer der einst schärfsten Kritiker des hiesigen Finanzplatzes lobt nach der Enthüllung globaler Steueroasen nun die Schweiz. «In der Schweiz hat sich offensichtlich vieles zum Besseren gewendet», sagt Hans Eichel im Interview mit der «Schweiz am Sonntag».

Eichel hatte als SPD-Finanzminister von 1999 bis 2005 den deutschen Kampf gegen das «helvetische Steuerschlupfloch» losgetreten. Jetzt erklärt der Finanzplatzspezialist, das Land stehe bezüglich Schwarzgeld und Geldwäscherei im internationalen Vergleich heute «wesentlich besser» da. 

In seiner Kolumne in der Zeitung schreibt Ex-Bankchef Oswald Grübel derweil: «Auch wenn noch wenig bekannt ist, wird schon propagiert, es handle sich um die grösste Steuerhinterziehungs-Aufklärung aller Zeiten. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.» Trusts seien nicht a priori schlecht. 

Tatsache sei aber, «dass es heute praktisch kein Bankgeheimnis mehr gibt und, glaubt man den Medien, dass dieses auch anscheinend niemand mehr will», so Grübel. «Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, wenn unsere Bankdaten demnächst im Internet auftauchen. Der Datenklau wird bejubelt statt verurteilt.» 

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Auch die Kantone schalten sich in der Offshore-Leaks-Affäre um zwielichtige Steueroasen. «Der Staat muss konsequent einschreiten», fordert Christian Wanner als Präsident der Finanzdirektorenkonferenz (FDK). «Mit den einen streiten wir um kleine Abzüge wegen Berufsunkosten, andere können Millionen hinterziehen», sagt Wanner im Interview mit der «Sonntagsteitung». Das sei weder moralisch noch richtig.

«Derartige Konstruktionen nicht aus Selbstlosigkeit»

Auch der Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin - designierter Nachfolger Wanners als FDK-Präsident - sagt in der gleichen Ausgabe: «Der Bund muss im Rahmen von internationalen Organisationen, wie beispielsweise Uno, OECD oder G-20, darauf hinwirken, dass internationale Standards gesetzt werden.» Diese müssten sicherstellen, dass Trustvermögen korrekt besteuert werden.

Grundsätzlich ist das Errichten von Briefkastenfirmen in Steueroasen nicht illegal. «Derartige Konstruktionen macht man aber nicht aus Selbstlosigkeit», sagt Wanner. Die Steuerbehörden hätten praktisch keine Chance, solche Geldanlagen zu finden, wenn sie nicht deklariert seien.

Die Steueroasen-Affäre hatte am vergangenen Donnerstag ihren Anfang genommen, als die «Sonntagszeitung» und «Le Matin Dimanche» gemeinsam mit einem weltweiten Journalistennetzwerk erste Ergebnisse ihrer Recherche publik machten. Dabei hiess es, dass in der Schweiz rund 300 Personen und 70 Gesellschaften betroffen sein sollen von der Affäre um Briefkastenfirmen in Steueroasen im Pazifik und in der Karibik.

(tno/sda)