Zehn Jahre nach der Abspaltung proben die Grünen und die Grünliberalen die Annäherung. GLP-Präsident Martin Bäumle und Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli sprechen sich für eine Ökoallianz aus und schmieden Pläne für eine Bundesratskandidatur.

Die Grünen hätten heute mathematisch mehr Anspruch auf einen Bundesratssitz als die FDP auf zwei, sagte GLP-Nationalrat Bäumle in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». «Eine Grün-Grünliberale-Allianz hätte grössere Chancen - aber immer noch recht geringe.»

Grünen Nationalrat Glättli sagte, es gäbe zwar keinen Beschluss für eine Zweierkandidatur, mit der der Bundesversammlung je ein Grüner und ein GLP-Kandidat zur Auswahl gestellt würde. «Wir stossen jetzt aber die Diskussion an, wie die ökologischen Kräfte gebündelt werden können, um den Anspruch der Grünen auf einen Bundesratssitz erfolgreich geltend zu machen.»

Während andere Parteien einen zu geringen Wähleranteil für zwei Bundesratssitze hätten, vereine eine Ökoallianz aus Grünen und der GLP «mehr als genug Wähler» für den Anspruch auf einen Bundesratssitz auf sich, sagte Bäumle. «Darum sind solche Allianzmodelle für uns interessant.»

«Graben überwinden»

Die Annäherung der beiden Parteien sei abgesprochen mit der jeweiligen Partei- und Fraktionsführung. Hintergrund sei, dass man im Parlament erneut bestätigt bekommen habe, dass sich die GLP in der Ökologie nur auf die Grünen verlassen könne. «Und die Grüne Partei kann nur auf uns bauen», sagte Bäumle. «Darum ist es Zeit, den Graben zwischen uns zu überwinden und in Umweltfragen noch stärker am selben Strick zu ziehen.»

Anzeige

«Unser Verhältnis hat sich normalisiert», sagte Glättli. Das gemeinsame Kernthema bleibe die Ökologie. «Unsere Parteien werden 2015 einen gemeinsamen Abstimmungskampf zur Energiesteuer führen.» Grosse Differenzen gäbe es allerdings nach wie vor, etwa bei der Asyl- oder der Sozialpolitik. Zu einer möglichen Fraktionsgemeinschaft äussern sich die beiden nicht konkret.

Im Juli 2004 hatte sich im Kanton Zürich die Grün-Liberale Partei von der Grünen abgespalten. Grund war ein Machtkampf um das Präsidium. Glättli hatte sich damals bei der Wahl zusammen mit Marlies Bänziger durchgesetzt. Bäumle und Vreni Püntener wurden abgewählt.

(sda/chb)