Die britische Regierung soll gedroht haben, juristisch gegen die Zeitung vorzugehen. Chefredaktor Alan Rusbridger schrieb am späten, das Blatt sei zur Zerstörung oder Herausgabe des Snowden-Materials aufgefordert worden. .

Rusbridger schrieb weiter, zwei Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes GCHQ hätten im Gebäude der Zeitung die Zerstörung von Festplatten überwacht. Dies sei einer der«bizarrsten Augenblicke» in der langen Geschichte des Guardian gewesen.

Rusbridger wurde nach eigenen Angaben zunächst vor etwas mehr als zwei Monaten von einem sehr hohen Beamten der Regierung von Premierminister David Cameron kontaktiert. Bei zwei darauffolgenden Treffen sei die Rückgabe oder Zerstörung allen Materials, an dem das Blatt arbeite, gefordert worden.

Der Chefredaktor habe erklärt, der Guardian könne nicht weiter an dem Thema arbeiten, wenn die Forderung erfüllt werde. Der Regierungsmitarbeiter habe gemeint: «Ihr hatte Eure Debatte. Es gibt keinen Grund, noch mehr zu schreiben.»

Festsetzung sorgt für politischen Wirbel

Unterdessen sorgt die Festsetzung des brasilianischen Lebensgefährten vom Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald am Londoner Flughafen Heathrow weiter für politischen Wirbel. Am Sonntag hatten britische Behörden den 28-Jährigen unter Verweis auf ein Anti-Terror-Gesetz für neun Stunden festgesetzt und befragt. Greenwald steht wegen seiner Zusammenarbeit mit Snowden im Fokus.

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Die US-Regierung wies jegliche Beteiligung an dem Vorfall in London von sich.«Die Vereinigten Staaten sind (...) nicht involviert», sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Josh Earnest, am Montag in Washington.

Brasiliens Aussenminister Patriota erklärte, die zeitweilige Festnahme Mirandas sei ungerechtfertigt gewesen.«Ich erwarte, dass es nicht wieder geschieht», sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur ABR. «Wir erleben weiterhin einige Exzesse und Irrwege in der Frage des Kampfes gegen den Terrorismus», fügte er hinzu. Dieser Kampf müsse aber auf den Grundsätzen des Multilateralismus, des internationalen Rechts und der Rationalität basieren.

Computer, Handy und Fotoapparat weggenommen

Miranda hatte am Montag bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Río de Janeiro die brasilianische Regierung aufgefordert, gegen seine Festnahme auf dem Londoner Flughafen zu reagieren.«Ich erwarte, dass die brasilianische Regierung etwas unternimmt, denn die Leute wissen nicht, was wirklich geschieht», erklärte er laut einem Bericht der Zeitung«Folha de São Paulo».

Der 28-jährige Marketing-Student war am Sonntag in London von britischen Sicherheitsagenten fast neun Stunden verhört worden. Er durfte keinen Anwalt hinzuziehen. Die Briten beriefen sich dabei auf ein Anti-Terror-Gesetz, das eine Festnahme ohne richterliche Anordnung und ohne Recht auf juristischen Beistand ermöglicht.

»Ich wurde in einem Zimmer gehalten, in dem (Scotland-Yard-) Agenten ein- und ausgingen, um sich bei der Befragung abzuwechseln», sagte er. Sie hätten ihn über sein ganzes Leben ausgefragt und ihm Computer, Handy und den Fotoapparat weggenommen.

In Río de Janeiro wurde Miranda von Greenwald auf dem Flughafen Tim Jobim (Galeão) empfangen. Er hatte in London nur eine Zwischenlandung auf dem Heimflug aus Berlin gemacht, wo er eine Journalistin der britischen Zeitung Guardian getroffen hatte. Greenwald bezeichnete den Vorfall als«Einschüchterung der Presse». Er werde mit«noch aggressiveren» Berichten antworten.

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(tke/sda)