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Spaltung
Guardiola und Katalanen stimmen trotz Verbot ab

Eigentlich wurde selbst die symbolische Abstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien verboten. Die Katalanen und Fussballidol Pep Guardiola zeigen sich davon höchst unbeeindruckt.

Von Mathias Ohanian
2014-11-09

Die Angst scheint gross in Madrid. Zunächst hatte das oberste Gericht nach einer Klage der Zentralregierung die geplante Volksbefragung über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien verboten. Daraufhin beschloss die Regionalregierung die Abstimmung unverbindlich durchzuführen – was ebenfalls untersagt wurde.

Die Katalanen zeigten sich davon jedoch unbeeindruckt: Ungeachtet des Entscheids öffneten am heutigen Sonntag über 1300 Wahllokale. Vielerorts bildeten sich lange Warteschlangen. Selbst Pep Guardiola, Trainer des FC Bayerns und gestern noch auf der Trainerbank in Deutschland, liess es sich nicht nehmen, in Barcelona abzustimmen. Allein das zeigt den Stellenwert, den die Befragung beim Volk geniesst.

Staatsanwaltschaft leitete sogar Ermittlungen ein

Die Staatsanwaltschaft in Katalonien leitete auf Geheiss des Madrider Generalstaatsanwalts sogar Ermittlungen ein. Diese sollen klären, ob das Öffnen von Schulen und anderen staatlichen Einrichtungen für die Stimmabgabe einen Verstoss gegen die Entscheidung des Verfassungsgerichts darstellte. Was in Katalonien geplant sei, «ist weder ein Referendum noch eine Befragung noch etwas Ähnliches», hatte Spaniens Premier Rajoy gestern betont. Es habe weder Gewicht noch Folgen.

Mehr als 40'000 freiwillige Helfer stellten dennoch Urnen auf und nahmen die Stimmzettel entgegen. In den vier Stunden zwischen 9.00 und 13.00 Uhr hätten über 1,14 Millionen ihre Stimme abgegeben, teilte die stellvertretende katalanische Ministerpräsidentin Joana Ortega am Sonntag in Barcelona mit. Das sind rund 21 Prozent der 5,5 Millionen Stimmberechtigten. Das Ergebnis wird für Montag erwartet.

Madrid pocht auf Verfassung

In der Vergangenheit hatten an Befragungen dieser Art auf kommunaler Ebene überwiegend Katalanen teilgenommen, die ohnehin für eine Abspaltung der Region von Spanien waren. Deshalb richtet sich das Interesse vor allem auf die Beteiligung. Sollte sie sehr hoch ausfallen, würde dies die Position der Unabhängigkeitsbewegung stärken.

Die spanische Zentralregierung lehnt eine Volksabstimmung strikt ab. Sie weist darauf hin, dass die Einheit des Landes in der Verfassung festgeschrieben sei. Über eine Änderung des Grundgesetzes könne nur das spanische Volk insgesamt entscheiden.

Katalonien gross wie die Schweiz und wirtschaftsstark

Katalonien ist mit 7,5 Millionen Einwohnern die wirtschaftsstärkste Region Spaniens. Damit ist die Region gemessen an der Einwohnerzahl fast so gross wie die Schweiz. Sie verfügt über eine eigene Sprache und Kultur sowie über weitreichende Autonomierechte und erbringt ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung.

(mit Material von sda, reuters, awp)

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