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Justizstreit
Gurlitt-Cousine erhebt Einspruch gegen Zusage

Kunstmuseum Bern: Die Institution soll das umstrittene Erbe antreten. Keystone

Das Kunstmuseum Bern kann die Erbschaft der Gurlitt-Sammlung vorerst noch nicht antreten. Eine Cousine des verstorbenen Cornelius Kunsthändlers hat Beschwerde beim Amtsgericht München eingereicht.

Veröffentlicht am 29.04.2015

Uta Werner, die Cousine von Cornelius Gurlitt, ficht das Testament des Kunsthändlers zugunsten des Kunstmuseums Bern weiterhin an. Sie hat gegen den Entscheid des Amtsgerichts München vom 23. März, dem Erbscheinantrag des Berner Museums stattzugeben, Beschwerde eingereicht.

Das Amtsgerichts München werde die Beschwerde prüfen und danach entscheiden, «ob sie ihren Beschluss abändert oder ob sie die Beschwerde dem Oberlandesgericht München zur Entscheidung vorlegt», so der Wortlaut seiner Medienmitteilung vom Dienstag. Sollte das Amtsgericht seinen Entscheid ändern wollen, müssten zuvor nochmals alle Beteiligten angehört werden.

Bern kann das Erbe nicht antreten

Unter diesen Umständen sei es ihm nach wie vor verwehrt, die Erbschaft anzutreten, schreibt das Kunstmuseum Bern. Die Aktivitäten in Sachen Gurlitt blieben «aufs Allernotwendigste» beschränkt. «Insbesondere wird die geplante Forschungsstelle ihre Arbeit vorläufig nicht aufnehmen.»

Werners Anwälte machten in einem Brief an das Museum, an den bayerischen Justizminister Winfried Bausback und an Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihre Position deutlich. Ihre Mandantin gehe davon aus, dass Gurlitt zu dem Zeitpunkt, als das Testament verfasst wurde, nicht mehr mit freiem Willen entscheiden konnte, heisst es darin. Dazu existiere bereits ein psychologisches Gutachten. Es sei aber vom Amtsgericht, das in ungewöhnlich kurzer Zeit über den Erbschein Werners entschieden habe, nicht ausreichend gewürdigt worden.

Sammlung gehört nach Deutschland

Nach Ansicht der Anwälte wäre ein neues Gutachten notwendig gewesen. Gurlitt litt nach Einschätzung seiner Cousine unter wahnhaften Vorstellungen, unter anderem habe er sich von Nazis verfolgt gefühlt. Die Übergabe der Sammlung Gurlitt an das Kunstmuseum Bern, wie es das Testament vorsieht, lehnt Werner ab. Es handle sich um Dokumente der Zeitgeschichte, die nach Deutschland gehörten. Die von den Nazis als entartet verfemten Kunstwerke müssten hier von Experten erforscht und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, schreiben die Anwälte.

Cornelius Gurlitt war am 6. Mai 2014 verstorben. Vor seinem Tod hatte der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt seine wegen Nazi-Raubkunstverdachts umstrittene Kunstsammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht.

(sda/ise)

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