Mit Spannung war am Mittwoch Donald Trumps erste Medienkonferenz nach seiner Wahl am 8. November zum US-Präsidenten erwartet worden. Erstmals räumte er ein, dass auch er Russland hinter Hackerangriffen während des Präsidentschaftswahlkampfes sieht. «Was das Hacking angeht: Ich denke, es war Russland», sagte Trump. Er sei aber auch der Meinung, dass es noch von anderen Ländern Hackerangriffe auf die USA gegeben habe.

Trump hatte bislang Zweifel an der Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste geäussert, wonach Russland hinter den Angriffen auf Computer der Demokratischen Partei stand. Trump hatte sich in den vergangenen Wochen für ein besseres Verhältnis zu Russland ausgesprochen. «Wir werden sehen, was ich für ein Verhältnis zu Russland haben werde», sagte er nun. Es sei nicht sicher, wie das aussehen werde. Er hoffe, dass er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auskommen werde. Es könne aber auch sein, dass das nicht der Fall sein werde.

Medienberichte «Unsinn»

Empört wies Trump Berichte zurück, Russland habe ihn mit belastendem Material in der Hand. Die Medienberichte darüber seien «Unsinn», sagte Trump. Im Kern geht es um Informationen aus dem Privatleben Trumps und zu seinen Geschäftsbeziehungen nach Russland.

In den zunächst als nicht stichhaltig eingestuften Memos, über die es angeblich eine zweiseitige Zusammenfassung bei den US-Geheimdiensten gibt, soll es um Vorwürfe im Zusammenhang mit Moskauer Prostituierten im Jahr 2013 gehen.

«Alles Falschnachrichten»

Ferner sollen die Memos Informationen zu Trumps Geschäftsbeziehungen nach Russland enthalten. Er soll von russischer Seite über Jahre mit guten Geschäften gelockt worden sein, diese aber abgelehnt haben, heisst es. Diese Vorwürfe wies Trump entschieden zurück.

«Das sind alles Falschnachrichten, es ist alles erfundenes Zeug, es ist nicht passiert», sagte der künftige Präsident. Trump lieferte sich wegen der Berichte ein hartes Gefecht mit Journalisten, und griff einzelne Medien in deutlichen Worten an.

Söhne sollen Firmenimperium führen

Trump kündigte an, dass sein Firmenimperium künftig von seinen Söhnen geführt werden solle. Es werde eine Struktur haben, die ihn komplett vom Management enthebe. Seine Tochter Ivanka wird dabei keine Position erhalten. Trumps Anwältin sagte, die Amerikaner könnten sicher sein, dass Trump als Präsident eine Kollision mit seinen Interessen als Immobilienunternehmer vermeiden werde.

Trump machte deutlich, dass er seine Steuererklärung nach wie vor nicht veröffentlichen wolle. Ausser Reportern interessiere sich niemand dafür, sagte er.

Sofort Mauer an Grenze zu Mexiko

Trump umriss zugleich Prioritäten für die ersten Amtstage. Er versprach, unmittelbar nach dem 20. Januar mit dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko zu beginnen, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Wie im Wahlkampf angekündigt, werde er Mexiko die Kosten dafür aufbürden, sagte Trump. Mit dem Bau der Mauer will Trump Migranten abwehren.

Ausserdem will er innerhalb weniger Wochen seinen Kandidaten für den vakanten Posten am Obersten Gerichtshof, dem Supreme Court, bekannt geben. Das ist eine wichtige Personalie, weil sie dem Republikaner die Möglichkeit gibt, die Mehrheitsverhältnisse der Institution über lange Zeit zu prägen.

Obamacare soll abgeschafft werden

Zur Zukunft der Gesundheitsvorsorge sagte Trump: «Obamacare ist ein komplettes Desaster.» Die vom scheidenden Präsidenten Barack Obama eingeführte Gesundheitsreform werde abgeschafft und danach ersetzt werden. Wie und womit, sagte Trump nicht.

Während der Medienkonferenz kam es vor dem Trump-Tower in New York zu Protesten. Mehrere Grüppchen von Demonstranten hatten sich vor dem Hochhaus in Manhattan versammelt, und riefen teils lautstark Anti-Trump-Slogans. Trump hatte überraschend die Wahl am 8. November gegen seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton gewonnen und wird am 20. Januar als 45. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weisse Haus einziehen.

(sda/mbü)