Besonnen, konsensorientiert und gut vernetzt - so charakterisiert er sich selbst, und so beschreiben ihn auch politische Weggefährten. Der Schaffhauser SVP-Politiker und künftige Ständeratspräsident Hannes Germann gilt als gemässigter Vertreter seiner Partei, der auch einmal von der Parteilinie abweicht. Zweimal wurde er von der Fraktion nicht als Bundesratskandidat nominiert.

Germann vertritt den Kanton Schaffhausen seit 2002 im Ständerat. Er ist Präsident der Aussenpolitischen Kommission, Mitglied der Finanzkommission und der Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie für Wirtschaft und Abgaben.

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Der 57-Jährige hat sich ein gutes Netzwerk geschaffen und ist stets um pragmatische, mehrheitsfähige Lösungen für anstehende Probleme bemüht. Damit hat er sich auch bei seinen politischen Gegnern Anerkennung erworben.

Dies zeigte sich beispielsweise bei seinem ersten Schritt in Richtung Ratspräsidium: In der Wahl ins Ständeratsbüro erhielt er 2010 42 von 45 Stimmen. Bei seiner letzten Wiederwahl in die kleine Kammer erreichte er in allen 27 Schaffhauser Gemeinden das absolute Mehr.

«Grundüberzeugung niemals opfern»

Wenn er von der Parteilinie abweicht, dann meist dann, wenn es um die Interessen seines Kantons geht. So hat er sich ohne Wenn und Aber für den Atomausstieg ausgesprochen und sich klar gegen ein Tiefenlager in der Region sowie für mehr Mitsprache der Kantone positioniert.

Den Unmut seiner Partei zog Germann im vergangenen Sommer auf sich, als er in einem Interview im Radio SRF dafür plädierte, zusätzliche Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Niemals würde er seine Grundüberzeugung einer Parteidoktrin opfern , sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

«Vor allem auf Fairness achten»

Trotzdem ist Germann ein ausgesprochener Teamplayer, wie er auch als Fussballer beweist. Bei den Positionen ist er allerdings flexibel - so tritt er als Mittelstürmer an, stand aber auch bereits als Goalie und sogar schon als Linksaussen auf dem Platz. Das liege daran, dass er beidfüssig schiessen könne, sagte er, «aber am liebsten ist mir mit Köpfchen».

Germann wäre gerne der erste Bundesrat aus dem Kanton Schaffhausen geworden. Er wurde 2011 und 2008 als Kandidat vorgeschlagen, aber von der Fraktion nicht nominiert. Als Präsident des Ständerats will er sich mit der eigenen Meinung zurückhalten und vor allem auf Fairness bedacht sein.

Der 57-jährige Betriebsökonom ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Er hat jahrelang als Volksschullehrer gearbeitet und war Wirtschaftsredaktor bei den «Schaffhauser Nachrichten». Bevor er 2002 in den Ständerat einzog, engagierte er sich als Kantonsrat und zuvor im Erziehungsrat. Zwölf Jahre lang war Germann Gemeindepräsident von Opfertshofen SH. Heute ist er Präsident des Schweizerischen Gemeindeverbands.

(sda/tke)