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Hauchdünn: Nationalrat fordert Burkaverbot

Burka: Stein des Anstosses. Keystone

Mit nur einer einzigen Stimme Unterschied fordert der Nationalrat ein Verbot der Vollverschleierung. Die Unterstützung zahlreicher Christdemokraten war auschlaggebend.

Veröffentlicht am 27.09.2016

Das Tragen von Burkas soll in der Schweiz verboten werden. Der Nationalrat hat am Dienstag mit 88 zu 87 Stimmen bei 10 Enthaltungen einer parlamentarischen Initiative zugestimmt.

Die Staatspolitische Kommission der kleinen Kammer sprach sich Anfang Jahr mit 10 zu 1 Stimme bei 2 Enthaltungen deutlich gegen das Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum aus. Die Verhüllung aus religiösen Gründen sei in der Schweiz äusserst selten anzutreffen und stelle somit kein wirkliches Problem dar, argumentierte sie.

Minderheit obsiegt

Darauf hatte auch die Kommission des Nationalrates auf die Linie der Schwesterkommission umgeschwenkt, nachdem sie der Initiative zunächst zugestimmt hatte. Die Gründe seien nachvollziehbar, sagte Kurt Fluri (FDP/SO) im Namen der Kommission. Zudem sei inzwischen eine entsprechende Volksinitiative lanciert worden, die Frage könne auf diesem Weg geklärt werden.

Diese Argumentation überzeugte den Nationalrat jedoch nicht. Er folgte am Dienstag einem Minderheitsantrag und stimmte der parlamentarischen Initiative zu. Die SVP-Fraktion sprach sich einstimmig für ein Verbot aus – bei einer Enthaltung (Claudio Zanetti). Genau umgekehrt war es bei den Linken: Kein einziger Vertreter von SP und Grünen wollte die Burka verbieten. Unentschlossen zeigten sich die Liberalen: Sieben Mitglieder der FDP-Fraktion stimmten für ein Verbot, die Mehrheit wollte keinen Kleiderzwang. Das Zünglein an der Waage spielte die CVP: Eine Mehrheit der Christdemokraten votierte für ein Burkaverbot. Der Ständerat muss sich nun mit der Vorlage befassen.

Gute Chancen an Urne

Vollverschleierung und der radikale Islam müssten in einem Zusammenhang gesehen werden, begründete Walter Wobmann (SVP/SO) seine Forderung. Wenn sich jemand verhülle, sei nicht ersichtlich, ob die Person harmlos, gewalttätig, unbewaffnet oder bewaffnet sei. Dennoch wollte Wobmann das Anliegen als allgemeines Verhüllungsverbot verstanden wissen. «In unserem Kulturkreis zeigt man sein Gesicht.»

Auf nationaler Ebene läuft derzeit die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot». Die Initianten vom sogenannten «Egerkinger Komitee» um Wobmann haben bis am 15. September 2017 Zeit, die nötigen 100'000 gültigen Unterschriften zu sammeln. Die Erfolgschancen stehen nicht schlecht. Käme ein Burkaverbot heute an die Urne, würden rund 60 Prozent der Stimmberechtigten ein Ja einlegen. Dies geht aus einer jüngst veröffentlichten, repräsentativen Umfrage der «Schweiz am Sonntag» hervor.

Verbot im Tessin

Das Thema sorgt in der Schweiz vor allem auf kantonaler Ebene seit längerem für rote Köpfe. Im Kanton Tessin ist das Verhüllungsverbot seit dem 1. Juli in Kraft. Die Tessiner Bevölkerung hatte 2013 als erster Kanton eine entsprechende Initiative angenommen. Damit dürfen Ganzkörperschleier (Burka) oder Gesichtsschleier (Niqab) im Tessin nicht mehr im öffentlichen Raum getragen werden.

Im Gespräch mit der «Handelszeitung» sagte jüngst auch der ägyptische Andermatt-Investor Samih Sawiris, dass er ein Burkaverbot befürworte. «Mit einem Kopftuch kann ich noch leben, obschon ich es ablehne», sagt der koptische Christ. «Die Burka aber ist eine saudische Erfindung, um die Frauen aus dem Leben der ­Gesellschaft zu entfernen. Das ist nicht akzeptabel.»

(sda/ise/gku)

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