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Politik

Hausdurchsuchung: Blocher wittert Komplott

Christoph Blocher sieht in den Hausdurchsuchungen ein politisches Komplott. (Bild: Keystone)

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat gestern eine Hausdurchsuchung im Büro und in der Villa von Nationalrat Christoph Blocher durchgeführt. Jetzt schildert der SVP-Chefstratege, wie er die Ha

Veröffentlicht am 21.03.2012

Der Fall Hildebrand hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat gestern eine Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten des Büros von Nationalrat Christoph Blocher und in dessen Haus in Herrliberg durchgeführt. 

Jetzt nimmt der SVP-Chefstratege im Interview auf «Tele Blocher» zu den Vorwürfen erstmals Stellung und schildert dabei im Detail, wie er die Hausdurchsuchung und das Vorgehen der Staatsanwälte erlebt hat.

«Als ich am Dienstag um 14:30 Uhr von Zürich zurück nach Männedorf in mein Büro zurückkam, standen im Sekretariat fünf Männer herum.» Verwundert habe der ehemalige Justizminister in die Runde gefragt: «Was ist denn los? Haltet ihr hier eine Volksversammlung ab?» Daraufhin gaben sich der Staatsanwalt und die vier Polizeibeamten zu erkennen.

Staatsanwälte wollten Durchsuchung ohne Blocher-Anwalt

Als Blocher wissen wollte, worum es geht, antwortete der Staatsanwalt, Blocher werde beschuldigt, gegen das Schweizer Bankgeheimnis verstossen zu haben. «Ich habe ihm dann gesagt, dass er zuerst in mein Büro kommen soll.» Schliesslich könne er so etwas nicht im Stehen besprechen.

Im Büro wurde Blocher dann ein Schreiben präsentiert, welches die Staatsanwaltschaft ermächtigt, Hausdurchsuchungen durchzuführen. Darüber hinaus forderte der Staatsanwalt Nationalrat Blocher im Gespräch auf, das Dokument zu unterzeichnen. «Das habe ich verweigert und sagte ihm, dass ich zuerst meinen Anwalt anrufen werde». 

Ausserdem verlangte Blocher mit den Durchsuchungen solange zuzuwarten, bis sein Anwalt eingetroffen sei. Davon wollten die Beamten und der Staatsanwalt laut Blocher aber nichts wissen - im Gegenteil: «Sie drängten darauf, die Hausdurchsuchungen ohne Beisein meines Anwalts durchzuführen.» 

Gleichzeitig wurde der SVP-Nationalrat infomiert, dass in diesen Minuten eine zweite Equipe sein Haus in Herrliberg durchsuchen werde. «Als ich das hörte, habe ich meine Frau angerufen. Sie sagte mir: ‹Ich lasse diese Leute nicht ins Haus› und fragte mich, was sie tun solle.»

Polizisten prüften Blocher-Bibeln

Der ehemalige Justizminister forderte seine Gattin Sylvia jedoch auf, die Beamten den Zutritt zur Villa und die Durchsuchung zu gestatten - ohne irgendwelche Dokumente zu unterschreiben. Im Gespräch mit dem Journalisten erklärt Blocher weiter, dass die Behörden ihre Arbeit sehr gründlich machten.

So wurden Bilder, Schlafzimmer, Kästen, Telefone, Computer und sogar zwei Bibeln aus dem 17. Jahrhundert genau unter die Lupe genommen. Angst hatte Blocher und seine Frau Sylvia bei den Hausdurchsuchungen nie.

Gattin Sylvia habe am Telefon sogar gelacht. «Sie sagte mir, dass ihr das wie bei Dürrenmatt vorkomme. Ich habe ihr dann geantwortet: Pass auf: Am Ende wurden in diesen Geschichten die Unschuldigen noch bestraft.» 

Letztlich beschlagnahmten die Beamten Dokumente, Telefone und Computer. Allerdings wurden diese auf Drängen des Blocher-Anwaltes versiegelt. Der Grund: Der ehemalige Justizminister beruft sich auf politische Immunität. «Es muss möglich sein, dass ein Bürger seinen Nationalrat über Missstände informieren kann». Aus diesem Grund will Blocher auch nicht freiwillig auf die Immunität verzichten. Die Untersuchungsbehörden können die Akten erst dann einsehen, wenn das Parlament die Immunität von Blocher aufgehoben hat. 

Blocher attackiert Widmer-Schlumpf

Um welche Unterlagen es sich handelt, will Blocher derweil nicht sagen. Vielmehr reitet der ehemalige Bundesrat eine Attacke gegen seine alte Rivalin im Bundeshaus: «Ich habe gehört, wie die Frau Bundespräsidentin Evelyn Widmer-Schlumpf gesagt hat, dass die Hintermänner im Fall Hildebrand zur Rechenschaft gezogen werden müssen.»

(muv/aho)

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