«300 Prozent besser als sein Vorgänger», jubilierte ein Vorstandmitglied letztes Jahr, als sich Heinz Karrer in Lausanne erstmals den Delegierten von Economiesuisse präsentierte. «Er wird Economiesuisse neu zu positionieren», frohlockte ein anderer. Heute, sechs Monate nach dem «Tag der Wirtschaft» und einer weiteren verheerenden Abstimmungsniederlage, kommen erste Zweifel auf, ob der grosse Kommunikator wirklich die Verheissung für das Präsidium ist.

Economiesuisse steckt in einer Sinnkrise, doch kann Karrer ein neues inhaltliches Fundament einziehen? Ist er in der Lage, den künftigen Kurs des Dachverbandes zu prägen und zu bestimmen? Hat der 54-Jährige die Kraft, sich durchzusetzen?

Gewiefter Motivator, schwacher Entscheider

Karrers Karriere in der Privatwirtschaft lässt gewisse Zweifel aufkommen. Gespräche mit 20 Unternehmern, Managern und Weggefährten zeigen das Bild eines brillanten Kommunikators, eines gewieften Motivators, aber eher schwachen Entscheiders und Umsetzers.

«Karrer hat wenig gestaltet», sagt etwa ein Weggefährte bei Axpo. Zwar attestiert er dem ehemaligen Spitzensportler akribische Dossierkenntnisse, eine hohe Intelligenz und eine rasche Auffassungsgabe. Branchenfremd und ohne Ingenieurs-Background habe sich Karrer so den Respekt der Stromer erarbeitet. Aber der Axpo-Chef lieferte kaum Impulse für die Weiterentwicklung des Konzerns. «Seine Rolle war die des Sonnenkönigs, der für genehme Projekte die Ressourcen sprach.»

Ein geschickter Taktierer

Tiefgreifende Reformen im blockierten Kantonskonstrukt habe er dagegen gescheut. Karrer habe stets den Ausgleich und den Konsens gesucht. Als jovialer Vermittler und geschickter Taktierer pflegte er die diversen Stakeholder intensiv, bis er sich seiner Hausmacht sicher sein konnte.

Anzeige

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.