In Griechenland hat am Sonntagmorgen die Parlamentswahl begonnen. Knapp zehn Millionen Einwohner sind aufgerufen, zum zweiten Mal in diesem Jahr über die Zusammensetzung des Parlaments in dem Euro-Krisenland zu entscheiden.

Der linke Ex-Regierungschef Alexis Tsipras zeigte sich bei der Stimmabgabe siegessicher. Seine künftige Regierung werde weiter entschlossen um die Rechte der Griechen kämpfen - nicht nur in Europa, sondern auch, um die nötigen Reformen im Inland durchzusetzen, sagte Tsipras.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Kopf-an-Kopf-Rennen

In Umfragen zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Tsipras und dem konservativen Herausforderer Vangelis Meimarakis ab. Insgesamt konkurrieren 14 Parteien und fünf Wahlbündnisse um die Wählerstimmen. Die Wahllokale schliessen um 18 Uhr MESZ. Erste Prognosen werden unmittelbar danach erwartet.

Die stärkste Partei erhält einen Bonus von 50 Sitzen im 300 Mandate zählenden Parlament. Im Januar hatte Tsipras mit 36,3 Prozent die absolute Mehrheit nur um zwei Sitze verfehlt und dann mit den rechten «Unabhängigen Griechen» koaliert.

Von der Wahl erhofft sich Tsipras kräftigen Rückenwind, nachdem er monatelang mit der Euro-Zone und dem IWF um die Auflagen für das dritte Hilfsprogramm gerungen hatte. Erst unter dem Druck der nahenden Staatspleite hatte der als Spargegner angetretene Tsipras eine Reform-Vereinbarung abgeschlossen, die weitere 86 Milliarden Euro in Aussicht stellt.

Meister der Überraschungen

Alexis Tsipras, der einstige Superstar der griechischen Politik, hat sich in den letzten Monaten verändert. Bei Auftritten wirkt der 41-Jährige nicht mehr ganz so selbstsicher. Als er im Januar als Regierungschef antrat, wollte er das Sparprogramm rückgängig machen. Letztendlich stimmte er neuen, noch härteren Auflagen zu.

Die Taktik, den Gegner ständig zu überraschen, beherrscht Tsipras seit jungen Jahren. Seine ersten politischen Schritte machte er als Anführer rebellischer Schüler und wurde schliesslich Mitglied der Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE). Es folgte der Weg zur Anti-Globalisierungsbewegung und dem damals unbedeutenden Linksbündnis Syriza.

Kleine Gruppe von Vertrauten

Die Wirbel und Stürme der Finanzkrise brachten Tsipras dahin, wo ihn niemand erwartet hatte: Im Januar beendete er den ewig scheinenden Regierungsreigen zwischen Konservativen und Sozialisten. Seitdem bestimmten er und seine Mitarbeiter die griechische Politik.

Einer kleinen Gruppe von etwa sieben Vertrauten wird grosser Einfluss zugeschrieben - dazu gehören sein politischer Mentor, Alekos Flambouraris, und der Jugendfreund Nikos Pappas.

Der Vater zweier Kinder lebt mit seiner Lebensgefährtin in Kypseli, einem Athener Arbeiter- und Angestelltenviertel.

(awp/sda/reuters/dpa/dbe)