Der Schritt wird schon länger erwartet, nun könnte es am Sonntag soweit sein: Die ehemalige US-Aussenministerin Hillary Clinton wird nach Informationen aus ihrem Umfeld wohl offiziell in das Rennen um die Präsidentschaft einsteigen.

Die Ankündigung werde ohne grosses Zeremoniell per Video und in sozialen Netzwerken erfolgen, sagte ein den Clintons nahestehender Demokrat am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Anschliessend werde sie zu einer Wahlkampftour nach Iowa und New Hampshire aufbrechen, zwei Bundesstaaten, in denen die ersten Vor- und Urwahlen ihrer Partei abgehalten werden. Die Zeitung «New York Daily News» hatte zuerst von den Plänen berichtet.

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Wohl letzte Chance

Die Demokraten hatten 2008 überraschend dem derzeitigen Amtsinhaber Barack Obama den Vorzug gegeben und ihn statt der Ehefrau des einstigen Präsidenten Bill Clinton zum Kandidaten gekürt. Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten. Für die 67-jährige Clinton wäre das kommende Jahr wohl die letzte Chance.

Mit einer vergleichsweise bescheidenen Ankündigung würde Clinton einen Kontrast zu den bisherigen republikanischen Bewerbern Ted Cruz und Rand Paul setzen. Beide hatten ihre Kandidatur auf grossen Zusammenkünften bekanntgegeben. Ohnehin hat Clinton in den USA einen hohen Bekanntheitsgrad, weswegen ihr das Interesse von Medien und Öffentlichkeit auch so sicher ist.

Clinton setzt auf soziale Medien

Es wird erwartet, dass Clinton ihre Kampagne allgemein stark auf soziale Medien konzentriert, um gerade junge Wähler anzusprechen. Sie muss diese Gruppe gewinnen, wenn sie ins Weisse Haus einziehen will. Clinton hatte 2008 beim Vorausscheid der Demokraten gegen Obama verloren, der die sozialen Netzwerke geschickt genutzt hatte, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern und mit vielen kleinen Spenden ein grosses Wahlkampfbudget zu finanzieren.

Dieses Mal dürfte Clinton bei den Demokraten kaum auf ernsthafte Konkurrenz stossen. Allerdings setzt ihr die Affäre um einen privaten E-Mail-Server politisch zu. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Quinnipiac University zur Präsidentenwahl legen führende Republikaner in wichtigen Bundesstaaten zu. So liege Clinton in Colorado und Iowa mit Paul, der am Dienstag seine Kandidatur bekanntgegeben hatte, etwa gleichauf. In Virginia lag sie dagegen mit 47 zu 43 Prozent vorn.

Verärgerte Parteifreunde

Die Politikerin hatte als Aussenministerin ein privates E-Mail-Konto dienstlich genutzt statt die Server der Regierung in Anspruch zu nehmen. Ihr Mail-Server soll zudem in Clintons Haus und damit nur unter ihrer Kontrolle gestanden haben. Dies ist rechtlich kaum zu beanstanden, könnte ihr aber den Vorwurf der Geheimniskrämerei einbringen, der im Wahlkampf leicht instrumentalisiert werden könnte.

Bereits im März zeichnete sich in einer Reuters/Ipsos-Umfrage ab, dass auch demokratischen Parteifreunde ihr das übelnehmen. Clinton hat Fehler im Umgang mit ihren E-Mails inzwischen eingeräumt.

(reuters/dbe)