Die starken Regenfälle der vergangenen Tage nehmen langsam ab. Vor allem in der Westschweiz und in der Nordwestschweiz ist am (heutigen) Sonntag eine Wetterbesserung in Sicht, wie MeteoNews in einer Mitteilung vom Sonntagmorgen schreibt.

Die Schweiz komme in den Einflussbereich eines Hochs mit Kern über den Britischen Inseln. Dadurch gebe es vor allem in der Romandie und in der Nordwestschweiz eine deutliche Wetterbesserung.

Aber auch in weiten Teilen des Flachlands bleibe es meist trocken, schreibt MeteoNews. Nur noch selten und vor allem im Osten des Landes müsse noch mit Regen gerechnet werden.

Dennoch bleibe die Lage an den Hochwasser führenden Flüssen wohl vorerst noch kritisch. Denn in dem meist alpinen Einzugsgebiet der Flüsse falle noch weiter etwas Regen.

In der Nacht auf Sonntag regnete es vor allem am Bodensee und entlang der zentralen und östlichen Voralpen noch. An vielen Orten in der Ost- und Zentralschweiz seien Niederschlagsmengen von über 100 Litern pro Quadratmeter registriert worden. Rekordhalter ist Amden: In dem Dorf im Kanton St. Gallen registrierte MeteoNews 246 Liter Wasser pro Quadratmeter.

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Die Deutschschweiz versinkt im Wasser

Aus zahlreichen Kantonen meldeten Polizei und Feuerwehren am Samstagnachmittag überschwemmte und gesperrte Strassen. Die Pegel von Flüssen und Seen stiegen deutlich an.

Strassenbehinderungen und -sperrungen gab es auf dem ganzen Verkehrsnetz. Besonders betroffen war aber die Ostschweiz. Zahlreiche Kantonsstrassen mussten dort wegen Überschwemmungen gesperrt werden.

Seit 10 Uhr am Samstagmorgen war die SBB-Strecke zwischen Wolhusen und Schachen unterbrochen, wie Mediensprecher Christian Ginsig gegenüber der sda sagte. Auf einer Breite von 20 Metern floss Schlamm über ein bereits installiertes Fangnetz. Die Strecke soll gemäss Ginsig am Sonntagmorgen ab Betriebsbeginn wieder befahrbar sein. Es verkehrten Bahnersatzbusse.

Wie der Verkehrsinformationsdienst Viasuisse am späten Samstagnachmittag mitteilte, mussten zahlreiche Pässe wegen Lawinengefahr vorübergehend wieder geschlossen werden, so etwa der Gotthard oder der San Bernardino.

Auf der Suche nach etwas Sonne entschieden sich offenbar viele für einen Ausflug ins Tessin: Vor dem Gotthardnordportal staute sich der Verkehr in Richtung Süden am Samstagnachmittag gemäss TCS zeitweise auf neun Kilometern Länge. Auch in der Gegenrichtung gab es Stau.

Häftlinge verlegt

In Widnau SG mussten die Behörden einige Häftlinge des Gefängnisses vorsorglich verlegen. Im gesamten Kanton gingen laut Kantonspolizei St.Gallen 160 Meldungen ein. Am stärksten beeinträchtigt war das Rheintal zwischen Kiessern und St. Margrethen.

Wegen eines drohenden Hangrutsches in Gersau SZ wurden in der Nacht auf Samstag 40 Personen einer Jugendherberge mit Booten auf dem Seeweg evakuiert. Verletzt wurde niemand.

Zwei Campingplätze in Ottenbach ZH an der Reuss und Gütighausen ZH an der Thur wurden bereits Freitagabend vorsorglich evakuiert. Letzterer stand gemäss Polizei am Samstag bereits unter Wasser.

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Angespannt ist die Lage wegen der intensiven Regenfällen auch im Kanton Nidwalden. Dort führten Murgänge zu Landschäden, teilte die Kantonspolizei mit.

In Kaltbrunn SG stürzte ein 72-jähriger Mann in der Nacht auf Samstag in den reissenden Dorfbach. Obwohl Polizei und Feuerwehr rasch die Suche nach dem Mann aufnahmen, konnte er vorerst nicht gefunden werden.

In Bern fliesst die Aare nahe beim Alarmwert

Unter ständiger Beobachtung der Behörden standen am Samstag die Pegel der Fliessgewässer. In der Stadt Bern flossen am Samstagmittag 380 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Aare herunter. Die Feuerwehr ergriff deshalb entlang der Aare vorsorgliche Massnahmen. Im Berner Oberland kam es neben Überschwemmungen auch zu Erdrutschen.

In Solothurn bat die Polizei die Bevölkerung, sich wegen der hohen Wasserpegelstände nicht entlang der Aare, der Dünnern, der Emme oder auf exponierten Brücken aufzuhalten. Um Ufer der Aare in Olten und der Emme in Biberist mussten Wassersperren eingerichtet werden.

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Auch der Krisenstab des Kantons Basel-Stadt wies die Bevölkerung an, sich nicht in unmittelbare Nähe des Rheinufers zu begeben. Im Kleinbasel wurden Schutzverbauungen erstellt und Sandsäcke gelegt. Der Krisenstab schloss nicht aus, dass der Fluss über die Ufer tritt. Der Schiffsverkehr zwischen Rheinfelden und Kembs wurde eingestellt.

Viel Wasser von oben

Gemäss dem Wetterdienst MeteoNews lag der Niederschlagsschwerpunkt am Samstagvormittag in der Zentralschweiz, dem Berner Oberland sowie dem zentralen Mittelland. Am Nachmittag hätten sich die Niederschläge dann in den Osten verlagert.

In der Zeit von Freitagvormittag bis Samstagnachmittag gingen am Alpennordhang zwischen 50 und 90 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Samstagabend mitteilte.

Der Bund gab eine Hochwasser-Warnung der Stufen 3 bis 4 - erhebliche bis grosse Gefahr - heraus. Besonders stark betroffen seien die Reuss unterhalb des Vierwaldstättersees und der Hochrhein.

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Betroffen sind gemäss BAFU-Meldung Thur, Töss, Glatt, Linth, Limmat, Sihl, Engelberger Aa, Kleine Emme und Reuss unterhalb des Vierwaldstättersees, Emme und Aare unterhalb des Bielersees, Hochrhein, Birs sowie auch alle mittleren und kleineren Gewässer im betroffenen Gebiet.

Aufgrund der anhaltenden Niederschläge werden die Flüsse und Seen weiter belastet. An den «bekannten kritischen Stellen - insbesondere entlang von Reuss, Aare und Hochrhein -» ist mit lokalen Überschwemmungen zu rechnen.

(tke/sda)