In weiten Teilen der Deutschschweiz hat der intensive Regen am Sonntagmorgen ausgesetzt. MeteoSchweiz bezeichnete den Dauerregen der vergangenen 48 Stunden als «aussergewöhnlich, aber kein Rekordereignis». Am stärksten betroffen von den Regenmengen war die Ostschweiz.

In St.Gallen regnete es mit gut 140 Litern pro Quadratmeter zwar weniger als an anderen Orten. Mit Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre könne man aber in St.Gallen von einem Ereignis sprechen, wie es nur alle 100 Jahre vorkomme, sagte Daniel Murer von MeteoSchweiz gegenüber der sda.

183 Liter pro Quadratmeter

Die Experten massen Höchstwerte im sanktgallischen Weesen. Dort fielen seit Freitag 183 Liter pro Quadratmeter. Der Dauerregen, der sich von den östlichen Voralpen bis ins Berner Oberland zog, sei der in der Ausdehnung intensivste seit 2005 gewesen, sagte Murer.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schrieb am Sonntagmittag in einer ersten Bilanz, die Schweiz habe «das Hochwasser gut bewältigen können». Eine endgültige Schadensbilanz könne aber erst in den kommenden Tagen gezogen werden.

Entwarnung gab das BAFU im Bezug auf die Hochwassersituation der Fliessgewässer. Anders präsentiert sich die Situation bei den Seen, so am Bodensee, Walensee, Zürichsee und Vierwaldstättersee: «Dort steigen die Pegel bis mindestens Montag noch an», hiess es weiter.

So stehen die Seen weiterhin auf Gefahrenstufe 3, der Zürichsee wird sogar noch auf die vierte Stufe gehoben. Es seien jedoch nur noch kleinere, lokale Überschwemmungen zu erwarten. Murer von MeteoSchweiz sagte, eine Gefahrenstufe 4 nach Regen in weiten Teilen der Deutschschweiz habe es zuletzt vor knapp sechs Jahren gegeben.

Buchstäblich ins Wasser fielen verschiedene Sportveranstaltungen. Wie die Organisatoren am Sonntagmorgen meldeten, musste der BMC Ironman in Rapperswil-Jona wegen eines Erdrutsches auf der Rennstrecke abgesagt werden.

Evakuationen in Gefängnis und Jugendherberge

Von grösseren Katastrophen blieben die Kantone bisher verschont. Vorsorglich wurden aber zahlreiche Personen evakuiert. In Alpthal im Kanton Schwyz mussten am Samstagabend 46 Personen ihre Häuser wegen eines drohenden Hangrutsches verlassen.

In Widnau SG verlegten die Behörden einige Häftlinge des Gefängnisses vorsorglich, am Sonntagmorgen meldete die Polizei dann, nach einem Dammbruch sei der Rhein über die Ufer getreten und habe einzelne Dorfteile überschwemmt.

Wegen eines drohenden Hangrutsches in Gersau SZ wurden in der Nacht auf Samstag 40 Personen einer Jugendherberge mit Booten auf dem Seeweg evakuiert. Verletzt wurde niemand.

Zwei Campingplätze in Ottenbach ZH an der Reuss und Gütighausen ZH an der Thur wurden bereits Freitagabend vorsorglich evakuiert. Letzterer stand gemäss Polizei am Samstag bereits unter Wasser.

In Kaltbrunn SG riss der Dorfbach in der Nacht auf Freitag einen 72-jährigen Mann mit. Bis am Sonntag konnte der Verunfallte nicht gefunden werden.

Gesperrte Strassen, Stau und keine Züge

Der Regen beeinträchtigte auch den Strassen- und Schienenverkehr. Unzählige Neben- und Kantonsstrassen waren gemäss Viasuisse wegen Hochwasser oder Erdrutschen am Sonntagnachmittag nach wie vor gesperrt, bereits geöffnete Passstrassen wie der Gotthard wegen Lawinengefahr geschlossen.

Zudem entstand vor dem Gotthardtunnel am Samstag zeitweise ein zehn Kilometer langer Stau. Auch die Rückkehr der Sonnenhungrigen verlief am Sonntag nicht staufrei: Bereits am Mittag hatte sich vor dem Tunnel in Richtung Norden ein fünf Kilometer langer Stau gebildet.

Die SBB hatten schon am Samstag Streckenunterbrücke zu beklagen, so etwa im luzernischen Entlebuch zwischen Wolhusen und Schachen. Auch die Schifffahrt war auf verschiedenen Strecken unterbrochen, namentlich auf dem Rhein oder der Aare zwischen Biel und Solothurn.

Ab Montag darf sich die wettergebeutelte Deutschschweiz auf zunehmend trockenes Wetter und sogar einige Sonnenstrahlen einstellen, von einem richtigen Sommer kann aber noch keine Rede sein.

Erst ab Mittwoch bewegen sich die Temperaturen gemäss MeteoSchweiz um 20 bis 24 Grad. «Diese Höchstwerte liegen knapp unter dem Normalbereich», sagte Daniel Murer von MeteoSchweiz. Denn im Juni könne es gut 26 bis 28 Grad warm sein.

(tke/sda)