Wegen der Terrorgefahr kommt das öffentliche Leben in Brüssel mehr und mehr zum Erliegen. Öffentliche Gebäude, Einkaufszentren und Märkte sollen geschlossen und Sportereignisse abgesagt werden.

Das sagte der Ministerpräsident der Brüsseler Hauptstadtregion, Rudi Vervoort, am Samstag in Brüssel. In der Brüsseler Innenstadt liessen viele grosse Geschäfte am Mittag die Rollläden herunter, die Einkaufsstrassen leerten sich.

U-Bahn steht still 

Die U-Bahn fährt bereits seit dem frühen Morgen nicht mehr und wird bis Sonntagnachmittag 15.00 Uhr stillstehen. Das teilte der Verkehrsbetreiber Stib auf seiner Webseite mit und sprach von einer «Vorsichtsmassnahme».

Vervoort sagte: «Ein Risiko von Null gibt es nicht, aber wir können alles tun, was in unserer Macht steht, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.» Wegen Hinweise auf eine konkrete Bedrohung war die Terrorwarnstufe für Brüssel in der Nacht auf das maximale Niveau 4 angehoben worden. Das bedeutet «eine ernste und unmittelbare» Bedrohung.

Im Rest des Landes gilt demnach weiterhin die Stufe 3, was einer «möglichen und wahrscheinlichen« Bedrohung entspricht. Nach der Terrorserie in der französischen Hauptstadt Paris hatten die Ermittlungen Verbindungen der Täter nach Brüssel ergeben.

Detaillierte Empfehlungen an die Bevölkerung

Das Krisenzentrum im belgischen Innenministerium erklärte die Bedrohungslage erfordere «besondere Sicherheitsmassnahmen sowie detaillierte Empfehlungen an die Bevölkerung« in Brüssel, wo sich auch der Sitz der EU-Kommission sowie das Nato-Hauptquartier befinden.

Das Krisenzentrum riet Bürgern weiterhin, grosse Menschenmengen wie bei Konzerten oder in Bahnhöfen zu meiden. Die 19 Gemeinden der Hauptstadtregion sollten zudem die Absage grösserer Veranstaltungen in Erwägung zu ziehen. Auch werde angeraten, keine Fussballspiele der ersten und zweiten Liga an diesem Wochenende auszutragen.

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Erst später am Samstag werde es weitere Informationen bekanntgeben, um «laufende Ermittlungen» nicht zu behindern. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die blutigen Anschläge in Paris zum Teil in Belgien geplant und organisiert.

Ermittlungen gegen drei Verdächtige

Seit den Anschlägen auf eine Konzerthalle, eine Fussballarena und mehrere Cafés und Restaurants wurden in Belgien eine Reihe von Verdächtigen festgenommen, darunter mehrere Angehörige eines der Attentäter. Während einige von ihnen später wieder freigelassen wurden, wurden gegen drei Verdächtige Ermittlungen wegen Terrorvergehen eröffnet.

Am Freitag hatte die belgische Justiz einen weiteren Verdächtigen angeklagt. Er war am Donnerstag bei Razzien in Brüssel festgenommen worden. Ihm werden demnach Beteiligung an Terroranschlägen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Mit dem Auto aus Paris abgeholt

Die beiden Verdächtigen Mohammed Amri und Hamza Attou, die am vergangenen Samstag in Belgien festgenommen worden waren, bleiben zudem weiter in Haft. Amri und Attou sollen den flüchtigen Verdächtigen Salah Abdeslam nach den Anschlägen mit dem Auto aus Paris abgeholt und nach Brüssel gebracht haben.

Abdeslam wird verdächtigt, zu der Gruppe von Attentätern gehört zu haben, die am Freitagabend im Osten der Pariser Innenstadt Dutzende Menschen in Cafés und Restaurants erschossen. Neben Salahs Bruder Brahim, der sich in einem Restaurant in die Luft sprengte, gehörte zu dem Kommando offenbar auch Abdelhamid Abaaoud.

Ermittler: Fingerabdrücke gefunden

Der 28-jährige Belgier, der bei einem Polizeieinsatz am Mittwochmorgen im Pariser Vorort Saint-Denis getötet wurde, wird als mutmasslicher Drahtzieher der Anschläge gehandelt. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Ermittlerkreisen erfuhr, wurden auf einer der Kalaschnikows, die bei dem Angriff auf verwendet wurden, Spuren von Abaaoud gefunden. Zudem wurde er auf Überwachungsvideos im Vorort Montreuil entdeckt, wo der bei den Angriffen benutzte Seat gefunden wurde.

Sieben der acht beim Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis nördlich von Paris festgenommenen Personen sind wieder auf freiem Fuss. Weiter in Gewahrsam bleibt ein junger Mann, der den Terroristen die Wohnung zur Verfügung gestellt hatte, wie französische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichten.

(sda/me)