Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Prämien für die Krankenversicherung 2015 bekannt gegeben. Und auch im kommenden Jahr müssen die Versicherten tiefer in die Tasche greifen: Die Prämien für Erwachsene steigen im Schnitt um 4 Prozent, jene für Jugendliche um 4,4 und die Kinderprämien um 3,8 Prozent.

Der tatsächliche Prämienanstieg ist jedoch offenbar noch höher: Denn die vom BAG vorgelegten Zahlen geben ein verzerrtes Bild ab. Für die Erhebung der Prämien dient dem BAG die Standardprämie als Grundlage – das heisst: ein Erwachsener mit 300 Franken Franchise inklusive Unfalldeckung. Laut dem Vergleichsdienst Comparis sind jedoch nur rund 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer mit dem Standard-Modell versichert.

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Junge Erwachsene stark von Prämienanstieg betroffen

Das Portal hat deshalb eine Berechnung angestellt, die sämtliche Kantone, Altersstufen, Franchisen und Versicherungsmodelle berücksichtigt. Das Ergebnis: Laut Comparis zahlen die Schweizer Versicherten im Schnitt sogar 5 Prozent beziehungsweise 13.75 Franken mehr Prämie. Besonders hart trifft es demnach junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren: Sie müssen durchschnittlich 5,5 Prozent oder rund 15,7 Franken pro Monat mehr berappen. Erwachsene ab 26 Jahren zahlen 5 Prozent mehr, während es bei Kindern bis 18 Jahre einen Aufschlag von 4,3 Prozent gibt.

Sowohl die Zahlen des BAG als auch Comparis giessen im Endspurt vor der Abstimmung über die Einheitskasse noch einmal Öl ins Feuer. Für die Befürworter der Initiative ist das eine Genugtuung, die mit der Hoffnung einhergeht, am Sonntag doch noch gewinnen zu können: «Einmal mehr haben wir eine Prämienexplosion», sagte Jacqueline Fehr, SP-Nationalrätin und Mitglied des Komitees «Ja zur öffentlichen Krankenkasse», gegenüber handelszeitung.ch. Die Zahlen zeigten, dass das jetzige System nicht funktioniere.

«Prämien sind nicht nachvollziehbar»

«Der erneute Prämienanstieg bestätigt die Notwendigkeit einer Einheitskasse», so Fehr. Das jetzige System sei intransparent und die Höhe der Prämien nicht nachvollziehbar. Die Vizepräsidentin der SP Schweiz ist überzeugt, dass die neuen Zahlen noch Einfluss auf die Abstimmung am Sonntag haben werden.

Ganz anders sehen es freilich die Gegner der Initiative. Felix Gutzwiller, FDP-Ständerat des Kantons, relativiert: «Die Zahlen liegen ungefähr im Schnitt der letzten zehn Jahre.» Sie würden lediglich einmal mehr die Tatsache verdeutlichen, dass die Gesellschaft immer älter werde.

«Wählern Sand in die Augen streuen»

Er sieht die Befürworter der Einheitskasse auf dem falschen Dampfer: «Es ist eine Illusion zu glauben, dass eine Prämienreduktion ohne Qualitätseinbussen möglich wäre.» Er mahnt die Befürworter daher: «Die neuen Prämien als Bestätigung für eine Einheitskasse zu interpretieren, würde den Wählern Sand in die Augen streuen.»

Auch Gesundheitsminister Alain Berset vermutet keinen grossen Einfluss der neuen Publikation auf das Abstimmungsresultat am Sonntag. «Ich sehe weder einen positiven noch einen negativen Effekt auf die Abstimmung», sagte Berset an einer Medienkonferenz in Bern.

Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

Gemäss Comparis gibt es nicht nur zwischen den Altersklassen deutliche Unterschiede bei der Prämienentwicklung. Das gilt auch für die Kantone: Am höchsten fällt der Prämienanstieg demnach in Nidwalden aus: Dort bezahlen die Versicherten satte 8,5 Prozent mehr. In Obwalden beläuft sich der Aufschlag demnach auf 7,8 Prozent. Auch in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Baselland, Luzern, Neuenburg, Solothurn oder Schwyz liegt der Anstieg deutlich über dem Schnitt. Am tiefsten fällt der Wert mit 3,3 Prozent im Kanton Bern aus. In den Kantonen Tessin, Waadt oder Genf liegen die Aufschläge zwischen 4,2 und 4,4 Prozent.

Auch bei den Versicherungsmodellen gibt es Schwankungen. Der durchschnittliche Aufschlag beim Standard-Modell betrage 4,7 Prozent, während er beim HMO-Modell bei 5,8 Prozent liege. Beim Telmed- und Hausarzt-Modell belaufe er sich auf 5,2 beziehungsweise 5,3 Prozent.

(mit Material der sda)