FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness schildert sich in einem in Teilen vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung «Die Zeit» als einen Mann, der über viele Jahre exzessiv und mit «teilweise extremen» Beträgen spekuliert habe. «So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes», zitierte «Zeit Online» den 61-Jährigen.

Erst vor kurzem war bekanntgeworden, dass Hoeness im Januar mit einer Selbstanzeige die Hinterziehung von Steuern eingeräumt hatte. Er soll laut Medienberichten die Erträge von Kapitalanlagen in der Schweiz vor dem Fiskus verborgen haben.

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Hoeness bestätigte, dass die Staatsanwaltschaft am 20. März im Morgengrauen sein Haus am Tegernsee durchsucht habe. «Ich war im Bademantel, und da stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür. Da begann für mich die Hölle.»

Grundlage für seine Spekulationen sei ein Kredit des früheren Adidas-Chefs Robert-Louis Dreyfus gewesen. In den Jahren 2002 bis 2006 habe er «richtig gezockt». Er habe schon früher angefangen zu spekulieren. «Mal 50'000 Dollar, das war es. Das wurde heftiger, als alle an der Börse spielten, zur Zeit der grossen Internetblase.» Als die Blase geplatzt sei, habe er schwere Verluste gemacht, «ich war da richtig klamm». Das sei der Moment gewesen, «als Dreyfus mir anbot, lass uns was zusammen machen, er würde es finanzieren».

Gauck: Steuerhinterziehung asozial

Der Wurstfabrikant und frühere Bayern-Manager sprach von einer «grossen Torheit» und einem «Riesenfehler, den ich so gut wie möglich korrigieren will». Er habe «Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch», versicherte Hoeness.

Dem «Zeit Online»-Bericht zufolge schloss Hoeness jede Verbindung dieses Kontos zum FC Bayern München aus: «Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeness.» Auch gebe es keine weiteren nicht erklärten Konten.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm die Steueraffäre zum Anlass, die Deutschen zu grösserer Steuerehrlichkeit aufzurufen. «Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial», sagte Gauck dem Magazin «Stern» laut Vorabbericht. Es dürfe in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards für die Starken und Schwachen geben. «Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt oder nicht», mahnte das Staatsoberhaupt.

(tno/reuters)