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Justiz
Hoeness hinterzog mindestens 18,5 Millionen

Zum Auftakt des Prozesses gegen Uli Hoeness gesteht der FC-Bayern-Präsident, mindestens 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Das ist erheblich mehr als bisher bekannt.

Veröffentlicht am 10.03.2014

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness hat nach eigenen Angaben mindestens 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen. Diese Summe ergibt sich aus Unterlagen, die Hoeness erst wenige Tage vor dem am Montag beim Landgericht München II begonnenen Steuerhinterziehungs-Prozess einreichte. Hoeness gebe die hohe Summe aus freien Stücken zu, betonte sein Anwalt Hanns W. Feigen. Die Staatsanwaltschaft hatte Hoeness nur wegen Hinterziehung von 3,55 Millionen Euro angeklagt.

Hoeness hatte bereits zum Prozessauftakt alle Vorwürfe eingestanden. «Ich habe Steuern hinterzogen», sagte Hoeness. «Mir ist bewusst, dass daran auch die Selbstanzeige nichts ändert. Ich habe gehofft, mit einer Selbstanzeige einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen.» Er habe mit immensen Summen regelrecht «gezockt» und keinen rechten Überblick mehr über Gewinne und Verluste gehabt, sagte Hoeness. Unter dem Strich habe er 2003 bis 2009 Verluste in Millionenhöhe gemacht. Dennoch sei ihm klar, dass er Gewinne hätte versteuern müssen.

«Ich bin kein Sozialschmarotzer»

«Ich bin froh, dass jetzt alles transparent auf dem Tisch liegt. Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst. Ich werde alles dafür tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen wird.» Er wolle alle Schulden nachzahlen. Er erinnerte daran, dass er insgesamt auch fünf Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet hatte. «Ich bin kein Sozialschmarotzer», sagte Hoeness.

Bereits am Morgen war bekannt geworden, dass die Vorwürfe gegen Hoeness deutlich umfassender sind als bisher bekannt. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn an, neben den bereits eingestandenen 3,55 Millionen Euro zu Unrecht Verluste aus Geldgeschäften angegeben und daraus Steuervorteile in Höhe von 5,5 Millionen Euro erhalten haben. Die Anklageschrift gegen Hoeness war wegen des Steuergeheimnisses im Vorfeld des Prozesses nicht veröffentlicht worden. Bisher war nur die Summe der hinterzogenen Steuern bekannt geworden.

Steuerhinterziehung in sieben Fällen

Die Staatsanwaltschaft klagte den 62-Jährigen Hoeness wegen insgesamt sieben Fällen der Steuerhinterziehung an. Dies bezieht sich darauf, dass seine Steuererklärungen der Jahre 2003 bis 2009 falsch waren. Hoeness wickelte laut Anklage über zwei Schweizer Konten «im beträchtlichen Umfang» Spekulationsgeschäfte vor allem mit Devisen ab.

Der Andrang zum Auftagt im Prozess gegen Uli Hoeness am Morgen war gross. Die insgesamt hundert Plätze für Presse und Zuschauer reichten nicht aus. Vor dem Gerichtsgebäude warteten zahlreiche weitere an dem Prozess interessierte Menschen, die nicht mehr eingelassen wurden. Hoeness erschien vor Gericht mit seiner Fau an seiner Seite. Vier Verhandlungstage sind unter dem Vorsitz des Richters Rupert Heindl angesetzt. Der Richter gilt als fair, aber streng – am Ende drohen Hoeness bis zu zehn Jahren Haft. 

Für Hoeness sind die kommenden drei Tage von existenzieller Bedeutung. Privat wegen der drohenden Konsequenzen auch für seine Frau und Kinder: Den Gedanken an eine Inhaftierung könne er deshalb «nicht zulassen», sagt er.

Konsequenzen für den FC Bayern

Und auch mit Blick auf den FC Bayern müsste er Konsequenzen fürchten: Bisher hat der Steuerfall die Fans und Sponsoren eher zusammenrücken lassen. Doch bei einer Verurteilung könnten die grossen FC-Bayern-Anteilseigner Adidas, Audi und Allianz Hoeness schnell fallen lassen. Die Politik, die Hoeness in der Vergangenheit gerne als Gesprächspartner suchte, hat das schon. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe «enttäuscht».

Bundespräsident Joachim Gauck nannte wegen seines Falls Steuerhinterziehung «asozial». Diese Worte zeigen, welche Signalwirkung für die Steuerehrlichkeit in Deutschland dem Hoeness-Prozess beigemessen wird.

(sda/me/sim)
 

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