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Prozess
Hoeness tritt zurück - Nachfolge für ein Mandat gefunden

Uli Hoeness ist beim FC Bayern von allen Ämtern zurückgetreten und hat seine Haftstrafe akzeptiert. Neuer Aufsichtsratschef bei der Bayern München AG wird Adidas-Chef Herbert Hainer.

Veröffentlicht am 14.03.2014

 

 

Uli Hoeness tritt als Präsident der Vereins FC Bayern München und Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG zurück. Ausserdem verzichtet er auf eine Revision im Prozess gegen Steuerhinterziehung und akzeptiert damit das Strafmass von dreieinhalb Jahren Haft. Das teilte Hoeness am Freitag in einer persönlichen Erklärung in München mit.  Er habe sich nach Gesprächen mit seiner Familie dazu entschlossen, das Urteil anzunehmen. Seine Anwälte habe er angwiesen, nicht in Berufung zu gehen.

«Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich», hiess es in der Erklärung von Hoeness.

Nachfolger wird Adidas-Chef Herbert Hainer

Sein Nachfolger als Aufsichtsratschef wird Adidas-Chef Herbert Hainer. Das Gremium habe den 59-Jährigen einstimmig bis auf weiteres an seine Spitze gewählt, erklärte die Fußballabteilung des Sportvereins am Freitag.

Mit dem sofortigen Rücktritt von seinen Ämtern beim FC Bayern wolle Hoeness «Schaden vom meinem Verein abwenden, sagte er. Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben.» Ferner dankte er seinen persönlichen Freunden und den Anhängern des FC Bayern München «von Herzen für ihre Unterstützung».

 Das Urteil war am Donnerstag vor dem Langericht II in München gesprochen worden. Im Laufe der vier Prozesstage war offenbar geworden, dass Uli Hoeness 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat. Zu Beginn des Prozesses war die Anklage noch von 3,5 Millionen Euro ausgegangen. Hoeness hatte selbst am ersten Tag gestanden, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Die leitende Steuerfahnderin hatte nachgesetzt und weitere Summen aufgedeckt.

Hoeness muss seine Haftstrafe nicht sofort antreten

Uli Hoeness wird seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung nicht umgehend antreten müssen. Zunächst muss noch die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie das Urteil akzeptiert oder in Berufung geht. Der Entscheid soll Anfang nächste Woche gefällt werden.

Dies sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich, am Freitag. Nur wenn auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichtet, kann die Verurteilung von Hoeness zu dreieinhalb Jahren Haft rechtskräftig werden.

Falls die Staatsanwaltschaft in Revision gehen sollte, müsste der Bundesgerichtshof entscheiden. Das Urteil vom Donnerstag über dreieinhalb Jahre Haft lag zwei Jahre unter der Forderung der Anklage.

Ladung zum Strafantritt

Auch wenn die Staatsanwaltschaft auf eine Berufung verzichtet, wird Hoeness nicht sofort ins Gefängnis kommen. «Es wird sicherlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen, bevor er in Haft gehen wird», sagte die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, am Freitag.

Der gegen Hoeness bestehende Haftbefehl hat Titz zufolge keine Gültigkeit mehr, wenn das Urteil rechtskräftig wird, da es sich um einen Untersuchungshaftbefehl handelt. Hoeness bekomme dann eine Ladung zum Strafantritt. Dafür müsse zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist.

Freigänger-Status möglich

Hoeness kann dann hoffen, nach einiger Zeit den Status als Freigänger zu bekommen. Titz sagte zu den Voraussetzungen: «Eines ist klar, der Verurteilte muss in Haft erst mal unter Beweis gestellt haben, dass er sich ordnungsgemäss führt und das von ihm keine Fluchtgefahr droht.»

Sobald er dies unter Beweis gestellt habe, setze der Freigängerstatus dann noch voraus, dass er sozial eingebunden sei und ein geordnetes Leben führe. Sollte dies der Fall sein, könnte Hoeness im offenen Vollzug morgens das Gefängnis verlassen, zur Arbeit gehen und nach Feierabend in seine Zelle zurückkehren.

(me, mit Material von reuters und sda)

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