1. Home
  2. Politik
  3. Hohe Opferzahl nach dem «Freitag des Zorns»

Machtkampf
Hohe Opferzahl nach dem «Freitag des Zorns»

Nach der Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Mursi eskaliert die Gewalt auf den Strassen.

Veröffentlicht am 06.07.2013

Bei heftigen Zusammenstössen nach der Absetzung des demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi hat es in Ägypten mindestens 24 Tote gegeben. Besonders betroffen war neben Kairo die Stadt Alexandria.

Zehntausende waren dem Aufruf der Islamisten zu einem «Freitag des Zorns» gefolgt, um gegen das Militär zu demonstrieren, das Mursi am Mittwoch entmachtet hatte. Sie lieferten sich stundenlange Strassenschlachten mit den Gegnern Mursis.

Menschen angeschossen

Nach Angaben des medizinischen Rettungsdienstes kamen allein in der Mittelmeer-Stadt Alexandria zwölf Menschen ums Leben. Rund 200 Personen seien verletzt worden, hiess es. Die meisten Todesopfer seien zuvor angeschossen worden. In Kairo starben bei Kämpfen fünf Menschen. Dabei fielen Schüsse, Steine wurden geworfen und Feuerwerkskörper gegeneinander gerichtet.

Schwere Zwischenfälle ereigneten sich auch auf der Halbinsel Sinai. Nach Angaben von Ärzten wurden bei mehreren Angriffen insgesamt fünf Polizisten getötet. Hier war aber unklar, ob eine direkte Verbindung zum Sturz des Präsidenten bestand. Das Gebiet ist seit der Revolution, die den langjährigen Machthaber Husni Mubarak 2011 zu Fall brachte, extrem unsicher.

Ban warnt vor «Vergeltungstaten»

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte die Ägypter angesichts der gewalttätigen Unruhen vor weiteren «Vergeltungstaten». Damit die Probleme des Landes friedlich gelöst werden könnten, dürfe es keine Vergeltung geben, sagte er laut einem Sprecher in New York.

Auch dürfe keine wichtige Partei oder Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Zugleich rief Ban die ägyptischen Sicherheitskräfte auf, die Demonstranten zu schützen und gewaltsame Zusammenstösse zwischen Anhängern und Gegner des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zu verhindern.

Chefstratege der Muslimbrüder verhaftet

Unterdessen wurde ein weiterer führender Kopf der Muslimbrüder festgenommen, die dem Ex-Präsidenten nahestehen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der wohlhabende Geschäftsmann Chairat al-Schater in Kairo in Gewahrsam genommen - wegen Anstiftung zu Gewalt.

Zuvor hatte am Freitag der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, die Stimmung zwischen den verfeindeten Lagern aufgeheizt. In einer kämpferischen Rede vor einer Kairoer Moschee forderte er, Mursi freizulassen und wieder als Präsidenten einzusetzen. Dafür sei es auch wert, sein Leben einzusetzen.

Das Militär rief er auf, nicht auf das Volk zu schiessen. Ohnehin seien die Demonstranten mächtiger als Panzer: «Unsere nackte Brust ist härter als Kugeln.» Sein Auftritt kam überraschend. Denn am Donnerstag hatte es in Sicherheitskreisen noch geheissen, Badie sei festgenommen worden.

(muv/sda/reuters)

Anzeige