Der französische Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama haben die Staatengemeinschaft aufgefordert, der syrischen Regierung nach dem mutmasslichen Giftgasangriff vom 21. August bei Damaskus eine «starke Botschaft» zu übermitteln.

In einer veröffentlichten Erklärung der französischen Präsidentschaft nach einem Telefongespräch der beiden Staatschefs hiess es: «Die internationale Gemeinschaft kann den Einsatz von Chemiewaffen nicht tolerieren, sie muss das syrische Regime dafür verantwortlich machen und eine starke Botschaft senden, um den Einsatz anzuprangern.»

Russland kritisiert US-Drohungen

Syriens Verbündeter Russland kritisierte Obamas Drohungen von möglichen «begrenzten» und «eingeschränkten» Luftschlägen gegen Syrien als «unannehmbar». Sogar enge Verbündete der USA würden sich für ein ruhiges Abwägen der weiteren Schritte aussprechen, teilte das Aussenministerium in Moskau in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) mit.

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«Das einseitige Anwenden von Gewalt unter Umgehung des UNO-Sicherheitsrats bedeutet ein Verstoss gegen internationales Recht, erschwert eine politische Lösung und bringt nur weitere Opfer», betonte Ministeriumssprecher Alexander Lukaschewitsch.

Syrien weist Vorwürfe zurück

Das syrische Aussenministerium erklärte unterdessen, bei den von den USA vorgelegten «Beweisen» über Damaskus' angebliche Verwicklung in einen Giftgasangriff handle es sich um «Lügen». Die Vorwürfe von US-Aussenminister John Kerry entbehrten jeder Grundlage, hiess es in einer im staatlichen syrischen Fernsehen verlesenen Erklärung.

Kerrys Äusserungen seien der «verzweifelte Versuch», einen möglichen Militärschlag zu rechtfertigen. Was Washington als «unwiderlegbare Beweise» bezeichne, sei nichts anderes als alte von den «Terroristen» seit einer Woche verbreitete Geschichten - voller «Lügengespinste, Fabrikationen und zusammengeschusterten Unwahrheiten».

Kerry hatte zuvor erklärt, dass es keinen Zweifel daran gebe, dass es in der vergangenen Woche zu einem Giftgasangriff gekommen sei, für den die syrische Führung verantwortlich sei. Dabei seien mindestens 1429 Menschen getötet worden, darunter 426 Kinder.

Ergebnisse erst in zwei Wochen?

Klärung bringen könnten die Ergebnisse der Untersuchungen der UNO-Experten zu dem mutmasslichen Chemiewaffenangriff, die am Samstag von ihrer Mission aus Syrien zurückkehren sollten.

Doch Diplomaten zufolge rechnet die UNO damit, dass die Auswertung der Resultate bis zu zwei Wochen dauern könnten. Das habe UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon Vertretern der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Frankreich, Grossbritannien, Russland und China bei einem Treffen in New York mitgeteilt.

Angesichts der Erwägungen eines möglichen Militärschlags in Syrien hat die US-Marine ein weiteres Schiff ins östliche Mittelmeer geschickt. Das Kriegsschiff der San-Antonio-Klasse habe den Suezkanal durchfahren und sei zu den fünf Zerstörern gestossen, die sich bereits im Mittelmeer aufhalten.

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Die «USS San Antonio» habe aber keine spezifischen Anweisungen erhalten, sagte eine Pentagon-Sprecherin der dpa. Die Fahrt sei Teil von «Vorsichtsmassnahmen» für den Fall, dass in der Region Unterstützung benötigt würde.

Dank ihrer grossen Ladeflächen ist die «USS San Antonio» vielseitig einsetzbar und dient vor allem dem Transport schwerer Lasten und Gerätschaften. Das mit Flugabwehrraketen ausgestattete Schiff kann für den Katastrophenschutz oder medizinische Hilfe eingesetzt werden, kann aber auch Kriegsgerät, Panzer oder Helikopter befördern.

Zusammen mit der Besatzung der fünf Zerstörer befinden sich damit derzeit nach Pentagon-Angaben rund 1700 US-Militärs im Mittelmeer.

(sda/chb)