Der Schmuggel von antiken Kulturgütern gilt als wichtige Geldquelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Frankreich will das verhindern – und den Schätzen Asyl bieten. Auf 100 Seiten hat der Direktor des Pariser Louvre, Jean-Luc Martinez, Massnahmen dafür entworfen.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte ihn darum gebeten. Dass die Vorschläge wenige Tage nach den blutigen Anschlägen in Paris bekanntgegeben wurden, verleiht ihnen noch mehr Bedeutung.

Frankreich als Vorreiter

Verschärfte Aus- und Einfuhrkontrollen, eine schwarze Liste von «Hehlerparadiesen» und die Schaffung eines «Asyls für Museen» sind nur einige der Vorschläge gegen den Schwarzhandel der Terroristen. Dabei sieht sich Frankreich als Vorreiter und will einige der Massnahmen in einem Gesetzesentwurf verankern, über den das Parlament demnächst abstimmen soll.

Neben dem Verkauf von Öl, Lösegelderpressung sowie Spenden sehen Experten den illegalen Handel mit antiker Kunst aus Syrien und dem Irak als eine wichtige Finanzquelle der Extremisten.

Auftrag von Hollande

Die Terrororganisation erteile ihren Mitgliedern die Erlaubnis zu archäologischen Ausgrabungen, erhebe Steuern auf Kunstschätze, die später über Freihandelshäfen auf den internationalen Schwarzmarkt gelangen, sagte der französische Staatspräsident François Hollande vor der 70. Generalkonferenz der Unesco. Dem obersten Entscheidungs- und Kontrollorgan der Uno-Sonderorganisation hatte der Staatschef den Massnahmenkatalog bereits Anfang der Woche vorgestellt.

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Hollande sei im März nach den Anschlägen im Nationalmuseum von Bardo in der tunesischen Hauptstadt Tunis mit dem Auftrag an ihn herangetreten, sagte Louvre-Direktor und Kunsthistoriker Jean-Luc Martinez der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

«Asyl für Museen»

Wichtig sei es, die Massnahmen auf europäischer und internationaler Ebene zu harmonisieren, vor allem im Bereich der Aus- und Einfuhrkontrollen von Kunstschätzen aus Krisengebieten, sagte Martinez. Nicht alle Länder verlangen gültige Ausfuhrerlaubnisse aus den jeweiligen Herkunftsländern.

Frankreich will zudem «Refugien» anbieten, Orte, an denen Museen ihre von Plünderung oder Zerstörung bedrohten Werke zeitweise aufbewahren können. Hollande nannte das ein «Asyl für Museen». «Das Asylrecht gilt für Personen, und wir müssen es übrigens garantieren, selbst in den schmerzhaften, bedrückenden Umständen, die wir gerade erleben», betonte er vor dem Hintergrund der Terroranschläge von Paris. «Aber das Asyl gilt auch für Werke, für das Welterbe.» Erst Anfang Oktober hatte die Terrormiliz den antiken Triumphbogen im syrischen Palmyra gesprengt.

Schwarze Liste

Martinez schlägt auch vor, eine schwarze Liste von «Hehlerparadiesen» zu erstellen und «Musées de saisies» zu gründen, also Museen für beschlagnahmte Kulturgüter. Die schwarze Liste mit Namen von Institutionen und Sammlern, die illegale Kunstschätze in ihrem Besitz haben oder mit ihnen handeln, müsse unter die Schirmherrschaft der Unesco gestellt werden, sagte der 51-jährige Fachmann.

Die Massnahmen sollen aus einem internationalen Fonds finanziert werden. Das Geld sei kein Problem, meinte der Chef des Louvre. Wichtig sei es, gemeinsam vorzugehen und eine Allianz zu bilden.

(sda/ise/chb)