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Gewalt
Hongkong: Aussicht auf Dialog schwindet

Hongkong: Ausserhalb des Regierungsgebäudes hängen Millionen von Notizen.  Bloomberg

Pfefferspray, Festnahmen und Verletzte. Neue Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in Hongkong wecken Zweifel an den Aussichten für den geplanten Dialog zur Lösung der Krise.

Veröffentlicht am 18.10.2014

Nach der Räumung eines Hauptprotestlagers besetzten rund 9000 Demonstranten in der Nacht wieder Strassenzüge im Geschäftsviertel Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon. Dort hatten Polizisten am Freitag die Barrikaden abgebaut.

Am Samstag sicherten Hundertschaften der Polizei das Viertel. Doch konnten nicht alle Strassen wieder normal für den Verkehr geöffnet werden.

Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Aktivisten

Auch in der Nähe der anderen Protestlager in Admiralty und Causeway Bay auf der Insel Hongkong, wo die meisten Demonstranten ausharren, kam es in der Nacht zu Zwischenfällen. Aktivisten versuchten nach Mitternacht erneut, die wichtige Lung Wo Strasse nahe dem Regierungssitz zu blockieren. Doch die Polizei schritt sofort ein.

Bei den Demonstrationen wurden mindestens 33 Menschen festgenommen. 18 Beamte seien verletzt worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Die Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Aktivisten ein.

Polizeichef äussert sich

Polizeichef Andy Tsang sagte: «Diese illegalen Aktionen untergraben den Rechtsstaat, sie untergraben die Grundlage des Hongkonger Erfolges.»

Die Polizisten seien gegenüber der Protestbewegung «extrem tolerant» gewesen, hätten aber nicht verhindern können, dass Teilnehmer radikaler und gewalttätiger geworden seien. Es war das erste Mal nach Beginn der Proteste vor drei Wochen, dass sich Tsang öffentlich äusserte

Zurückhaltung gefordert

Nach den nächtlichen Zwischenfällen forderte die Occupy Central-Bewegung alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Mit den Studenten ist die Occupy-Bewegung eine der Triebkräfte der Proteste.

Die Studenten werfen der Regierung vor, mit dem Vorgehen der Polizei und der Räumung von Strassensperren für Unruhe sorgen zu wollen, damit der Dialog scheitert. Das wollten die Studenten aber nicht zulassen.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion dauern seit drei Wochen an. Die kommunistische Führung in Peking will zwar 2017 erstmals direkte Wahlen in der früheren britischen Kronkolonie zulassen. Sie verweigert aber eine freie Nominierung der Kandidaten. Die neuen Zusammenstösse überschatten die Aussichten für den Dialog zwischen Regierung und Demonstranten, der für Dienstag geplant war.

(sda/ise)

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