Wer den Schaden hat, der braucht für den Spott nicht zu sorgen. FDP-Nationalrätin Christa Markwalder macht dieser Tage die schmerzliche Erfahrung. Dies, nachdem die «NZZ» publik gemacht hatte, wie sich Markwalder in ihrer Parlamentsarbeit vom Potentatenstaat Kasachstan vor den Karren spannen liess, ohne das wahre Ausmass der Einflussnahme aus Zentralasien zu erkennen.

Die selbst bekundete «Naivität» der liberalen Vorzeigefrau liegt im Vertrauensverhältnis zur ehemaligen Mitarbeitern des FDP-Generalsekretariats und heutigen PR-Beraterin Marie-Louise Baumann begründet. Markwalder versorgte die Vertreterin der internationalen PR-Agentur Burson-Marsteller mit Bundesratsantworten aus der Aus­senpolitischen Kommission, welche Baumann ohne Wissen der Nationalrätin eilfertig nach Astana sandte. Möglicherweise hat Juristin Markwalder damit gegen das Kommissionsgeheimnis verstossen.

Empörungsbewirtschaftung läuft auf Hochtouren

Dass sich Markwalder längst öffentlich für ihre «Gutgläubigkeit» entschuldigt hat, ist im allgemeinen Aufheben ohne nennenswerten Widerhall geblieben. Schliesslich hat die Medienmeute Blut ­gerochen. Die Empörungsbewirtschaftung läuft auf Hochtouren und dient nur einem Ziel, die FDP-Politikerin im Vorfeld der Wahlen zu diskreditieren. Markwalder sei als höchste Schweizerin ungeeignet, wird da mit spitzer Feder formuliert.

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Dabei sind Medienschaffende die dankbarsten Abnehmer für Indiskretionen aller Art. Sie lassen sich von PR-Agenturen noch so gerne instrumentalisieren und verkaufen die wohl vorportionierten Informationshäppchen hernach als journalistische ­Eigenleistungen. Nicht zuletzt auch, weil die unter Schwindsucht leidenden Redaktionen längst auf die diskreten PR-Helferlein im Hintergrund angewiesen sind.

Gezielte Verletzung von Kommissionsgeheimnissen

Dies gilt auch für jene Politjournalisten in Bundesbern, die nur dank der gezielten Verletzung von Kommissionsgeheimnissen durch Markwalders Parlamentskollegenihre Blätter überhaupt mit «News» füllen. Insofern mutet es da äusserst ­befremdlich an, dass just die Vertreter der vierten Gewalt an der FDP-Nationalrätin selbstgefällig den moralischen Zeigefinger erheben. Schliesslich greift Markwalder – wie zahlreiche Journalisten auch – bloss auf die «Arbeitserleichterung» einer Public-Relations-Agentur zurück.

In der Kasachstan-Affäre schlägt einmal mehr die Stunde der moralinsauren Heuchler. Dazu zählt nicht nur die schreibende Zunft. Dazu zählen auch Markwalders Ratsmitglieder, die nun mit gesundem Opportunismus auf Distanz zur zuvor allseits beliebten Berner FDP-Politikerin gehen. Bedauerlicherweise sind darin auch Markwalders eigene Parteikollegen eingeschlossen. Statt sich schützend vor die designierte höchste Schweizerin zu stellen und in der Affäre die Verhältnismässigkeit zu wahren  – schliesslich handelt es sich beim «Geheimnisverrat» von der politischen Bedeutung her um eine Lappalie –, lassen die Parteioberen Markwalder im Regen stehen. Im Wahljahr ist eben ein jeder sich selbst am nächsten.

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