Der Direktor des Hauseigentümerverbands Schweiz (HEV), Ansgar Gmür, kritisiert im Interview mit der «Handelszeitung» die Warnungen und Massnahmen des Schweizerischen Nationalbank (SNB) und des Bundesrats zur Abkühlung des überhitzten Immobilienmarkts. Seiner Meinung nach gibt es keinen Crash, sondern eine sanfte Landung. «Die Zahlen sind eindeutig». In der Stadt Zürich rechnet der HEV mit einer Preisentwicklung von minus 0,5 bis 1 Prozent, in Genf mit minus 10 Prozent. Es gebe nur noch eine Region, Basel, wo die Preise leicht stiegen.

«Warnungen halte ich für prinzipiell etwas Gutes, doch blinder Aktivismus ist schädlich», sagt Gmür. Er zeigt sich erstaunt, dass Bankiervereinigung und SNB erst jetzt realisierten, dass die Banken während Jahren in blindem Vertrauen fast jeder Person Hypotheken gaben. Zudem seien die Immobilien bewusst zu hoch bewertet worden, damit die Banken grössere Hypotheken vergeben konnten. Soclhe Fälle habe der HEV zuhauf gesehen. «Die SNB hätte die Banken in Bezug auf ihre zum Teil verantwortungslose Hypothkenvergabe viel früher warnen sollen.» Sie kämen mit ihren Empfehlungen und Regeln um Jahre zu spät.

Gmür: Bundesrat gefährdet «soft landing»

Ebenso wenig Verständnis hat Gmür für die Vorschläge von Bundesrat Alain Berset, die Pensionskassengelder nicht mehr zur Finanzierung von Hypotheken verwenden zu dürfen. «Die Preise werden zwangsläufig steigen, weil alle, die den Kauf einer Immobilie in Erwägung ziehen, auf ihre Pensionskassengelder zurückgreifen werden, bevor es ihnen verboten wird.» Der Bundesrat löse genau den Gegeneffekt aus und gefährde das «soft landing».

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