Wegen schweren Lohndumping-Vorwürfen hat die Gewerkschaft Unia die Gipserarbeiten auf der Grossbaustelle «Vierfeld» in Pratteln blockiert. Im Visier ist erneut die Goger Swiss AG, hier als Subunternehmerin der Generalunternehmerin Implenia.

Die Vorwürfe gegen die Gipserfirma sind gemäss einem Communiqué im Wesentlichen dieselben wie bei früheren Konflikten etwa in Zürich. Auch dort hatten Gewerkschafter mehrere Grossbaustellen blockiert, um korrekte Arbeitsbedingungen zu erzwingen.

Schwere Vorwürfe

Unia wirft der Firma vor, systematisch die Gesamtarbeitsverträge zu unterlaufen, hohe ungerechtfertigte Lohnabzüge vorzunehmen, die Maximalarbeitszeit massiv zu überschreiten und die Arbeiter zu vierstelligen Barrückzahlungen zu zwingen. Den Gipsern blieben so unter dem Strich noch 11 bis 12 Euro Lohn pro Stunde.

Laut einem Gewerkschaftssprecher haben sich bei Goger inzwischen Ausstände zugunsten der Arbeiter von mindestens 1,5 Millionen Franken landesweit summiert. Diese Schätzung basiere auf Lohnbuchkontrollen von 2014 in Zürich. Zum Barrückzahlungs-Zwang lägen eidesstattliche Erklärungen von Betroffenen vor.

In Pratteln hat Unia am Montag zehn Gipser nach Hause geschickt, wie der Gewerkschafter weiter sagte. In der vergangenen Woche habe Goger deutlich mehr Gipser im Einsatz gehabt, auch über ein Sub-Sub-Unternehmen. Derzeit seien die Gipserarbeiten dort im 14. Stock von 28 Etagen angekommen; es gehe also um einen Grossauftrag.

«Zahnlosigkeit»

Unia prangert auch erneut die "Zahnlosigkeit der existierenden Kontrollinstrumente" an, was "schamlos ausgenützt" werde. Implenia als Generalunternehmerin auf dem "Vierfeld" sowie die Mobiliar als Mit-Bauherrin seien bereits Mitte März informiert worden, bis heute ohne erkennbare Konsequenzen. Unia will die Gipser blockieren, "bis die Nachzahlung der vorenthaltenen Leistungen sichergestellt ist".

Anzeige

(awp/sda/chb)