Indien hat sich vor dem UN-Klimagipfel im Dezember bescheidenere Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen gesetzt als China. Die Regierung in Neu-Delhi will zwar die Energie-Effizienz der Wirtschaft erhöhen, wie aus dem bei den Vereinten Nationen (UN) eingereichten Plan hervorgeht. Der Ausstoss klimaschädigender Gase soll demnach aber auch künftig weiter steigen, wenn auch langsamer.

China hatte sich dagegen verpflichtet, in rund 15 Jahren eine Verringerung der Emissionen einzuleiten. China ist der weltgrösste CO2-Produzent, gefolgt von den USA und Indien. Auf dem UN-Gipfel in Paris werden fast 200 Staaten versuchen, sich auf eine Strategie gegen den Klimawandel zu verständigen.

Auch in Zukunft Kohle

Indien steht auf dem Standpunkt, dass es wegen seines Nachholbedarfs in der Wirtschaftsentwicklung keiner absoluten Verringerung von Treibhausgasen zustimmen kann. Das Schwellenland kündigte in seinen UN-Klimazielen zudem an, Kohle werde auch in Zukunft zentral für die Stromerzeugung bleiben. Allerdings solle der Anteil nicht-fossiler Brennstoffe auf 40 Prozent erhöht werden. Deshalb würden erneuerbare Energien wie Sonnen- und Wasserkraft unterstützt, aber auch die Atomkraft solle massiv gefördert werden.

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Die Regierung in Neu-Delhi erntete mit ihren Zielen Beifall einiger Umweltverbände wie dem in New York ansässigen Natural Resources Defense Council. Kritiker fürchten allerdings, dass sich die Umsetzung der Vorhaben als schwierig erweisen könnte.

Bewegung auch bei anderen Ländern

Rund zwei Monate vor der Welt-Klimakonferenz in Paris bewegen sich die wichtigsten Staaten im Kampf gegen den Klimawandel. Europa will ohnehin wieder vorweg marschieren. Die Bundesregierung gibt sich so bei der UN-Vollversammlung in New York auch optimistisch für das Treffen der rund 200 Staaten am Jahresende. Ein Fehlschlag wie bei der mit grossen Hoffnungen begleiteten Klimakonferenz vor sechs Jahren in Kopenhagen soll vermieden werden, ein Erfolg ist Pflicht. «Es gibt ein Kopenhagen-Syndrom. Kein Regierungschef der Welt will das noch einmal erleben», sagte Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius. Das Land trommelte daher in New York noch einmal 30 Staaten zusammen, um einer Pleite vorzubeugen. Mit Deutschland ist abgesprochen, wer sich welches Land zur Brust nehmen soll.

Damit in Paris gefeiert werden kann, soll jedoch nicht nur der CO2-Ausstoss weiter begrenzt werden, auch die Ziele werden gegenüber Kopenhagen eingedampft. War damals ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen mit klaren Treibhausgas-Vorgaben für alle angepeilt, ist davon nur noch das Ziel für 2100 geblieben: Dann soll die Erderwärmung nicht über zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit geklettert sein. In Paris wird es deshalb nur einen ersten Schritt in diese Richtung geben - und Klimaschützer fürchten, dass er zu klein sein und vor allem zu spät kommen könnte. Bereits vor Kopenhagen war von der letzten Chance die Rede, um mit klaren Zielen zum CO2-Ausstoß die Erderwärmung noch unter Kontrolle zu halten.

China wegen Städten unter Druck

Schwellenländer wie China oder Indien lehnten damals aber schon einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag ab. Sie fürchteten, die Industrienationen wollten damit die Entwicklung ihrer Länder behindern und sich Konkurrenz auf den Weltmärkten entledigen. Schließlich seien es die westlichen Staaten gewesen, die die Masse des CO2 in die Atmosphäre geblasen hätten.

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Die französischen Gastgeber der UN-Konferenz wollen den Fehler nicht wiederholen: Derzeit bündeln sie freiwillige Zusagen der Staaten in der Hoffnung, dass das ein oder andere Land in Paris noch etwas drauf legt. Immerhin haben inzwischen drei Viertel der Länder geliefert, darunter die weltgrössten Klimaverschmutzer und Wirtschaftskonkurrenten, China und die USA. China will ab 2030 seine Emissionen senken. Hintergrund ist dabei schlicht die Luftverschmutzung in den Millionenmetropolen, die dazu zwingt, die Kohleverbrennung in Kraftwerken einzudämmen. US-Präsident Barack Obama kündigte an, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 32 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Im Windschatten der beiden machten weitere Staaten jetzt bei der UN in New York Zusagen: Indien etwa will seinen Energie-Effizienz steigern und bis 2030 rund 40 Prozent seiner Stromproduktion aus erneuerbaren Energien gewinnen.

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Alle fünf Jahre Neubeurteilung

Klar ist aber: Das alles reicht für das ausgerufene Zwei-Grad-Ziel nicht. In Paris geht es daher darum, einen Prozess unter Teilnahme aller wichtigen Staaten in Gang zu setzen, dem sich keiner mehr entziehen kann. Daher dringt zum Beispiel die EU darauf, dass alle fünf Jahre dann CO2-Einsparungen und Zwei-Grad-Ziel abgeglichen werden. Das soll die Staaten dazu zwingen, immer wieder nachzusteuern.

Der Druck zum Handeln steigt aus deutscher Sicht zudem angesichts der wachsenden Flüchtlingsströme weltweit. «Wenn die Folgen des Klimawandels in einigen Regionen der Welt nicht mehr zu ertragen sind, etwa wegen Überflutungen oder Dürren, dann werden sich die Menschen mit ihrer letzten Habe auf den Weg machen», sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Reuters-Interview. Zahlreichen Inselstaaten droht sogar das völlige Verschwinden angesichts des steigenden Meeresspiegels. Ärger kann es so in Paris nicht nur von Staaten geben, die weiter auf Kohle, Gas und Öl setzen wollen. Mehr als 100 Länder wollen sogar ein ehrgeizigeres Klimaziel als die Zwei-Grad und könnten daher einen Deal ablehnen.

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(reuters/chb)