Die Jungen Grünen wollen der Zersiedelung der Schweiz Einhalt gebieten. Ein entsprechendes Volksbegehren haben die Initianten bei der Bundeskanzlei eingereicht. Das letzte Wort liegt bei den Stimmberechtigten. Das Initiativkomitee übergab am Freitag in Bern mehr als 135'000 Unterschriften für die im April 2015 lancierte Volksinitiative «Zersiedelung stoppen – für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung». Davon sind 112'000 beglaubigt, wie Co-Präsident Luzian Franzini der Nachrichtenagentur sda sagte. Für das Zustandekommen einer Initiative sind 100'000 gültige Unterschriften nötig.

Die Jungen Grünen haben allein 96'000 Unterschriften beigesteuert. «Mit nur 2000 Mitgliedern ist dies eine enorme Leistung», sagte Franzini. Die Jungpartei hat denn auch die Hauptträgerschaft und Kampagnenleitung inne. Grüne, Juso, Alpeninitiative, umverkehR und weitere Jungparteien und Organisationen unterstützen das Volksbegehren.

Neueinzonungen kompensieren

Um die Zersiedelung zu stoppen, müssen laut Initianten Neueinzonungen von Bauland zukünftig kompensiert werden. Dies schaffe einen wichtigen Anreiz, das vorhandene Bauland auch effizient zu nutzen, anstatt immer mehr Grünland zu verbauen.

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Die innere Verdichtung will die Initiative fördern, indem sie eine «moderate Aufstockung» von Gebäuden ermöglichen würde. So werde trotzdem genügend Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung geschaffen. In den vergangenen vierzig Jahren stieg der Wohnflächenbedarf gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zweieinhalb Mal so stark wie die Gesamtbevölkerung. Auch administrative Hürden sollen abgebaut und Rahmenbedingungen verbessert werden. So soll etwa das Bauen nachhaltiger Quartiere auch ohne Sondernutzungszonen möglich sein.

«Grüne Oase»

Um ihre Forderungen zu untermauern, rollten die Jungen Grünen am Freitag auf dem Bundesplatz 250 Quadratmeter Rasenteppich aus. Büsche und Jungbäume machten die «grüne Oase» perfekt. Die Aktion sollte den Entscheidungsträgern die Natur näher bringen, wie Co-Präsidentin Judith Schmutz sagte. «Unbebauter Boden ist sowohl wertvolles Kulturland als auch Erholungsgebiet für den Menschen.»

In der Schweiz geht laut einem Bericht des BFS jede Sekunde über ein Quadratmeter Landwirtschaftsland verloren. Die Initianten machen geltend, das aktuelle Raumplanungsgesetz schütze das Kulturland nicht genug. Da zudem die zweite Revisionsetappe vertagt wurde, bringe die Zersiedelungsinitiative das Thema zurück auf das politische Parkett.

Raumplanung als Dauerthema

Das Schweizer Stimmvolk hatte in jüngster Zeit bereits mehrfach über Fragen der Raumplanung zu befinden. So hiess es 2012 etwa die Zweitwohnungsinitiative und ein Jahr später in einer Referendumsabstimmung eine Verschärfung des Raumplanungsgesetzes gut. Dieses sieht vor, dass zu grosse Bauzonenreserven verkleinert werden müssen.

Die anvisierte zweite Etappe der Raumplanungsrevision speckte der Bundesrat Ende 2015 ab, nachdem seine Vorschläge in der Vernehmlassung kritisiert worden waren. Das Vorhaben soll sich nun auf jene Bereiche beschränken, bei denen der Bundesrat klaren Handlungsbedarf sieht: unter anderem beim Bauen ausserhalb der Bauzonen und bei der Raumplanung in funktionalen Räumen - also über die Kantonsgrenzen hinweg.

(sda/mbü/chb)