Die Furcht vor höheren Strafen für Steuersünder und vor einer Lockerung des Bankgeheimnisses hat auch 2014 mehrere tausend Steuerpflichtige zu einer Selbstanzeige bei ihrer Steuerbehörde getrieben. Dutzende Millionen Franken fliessen in die Kassen von Bund, Kantonen und Gemeinden.

Ermuntert werden die Reuigen von ihren Banken und Treuhändern, die auch das einheimische Schwarzgeld loswerden möchten. Seit 2010, als die «kleine Steueramnestie» schweizweit in Kraft trat, können sich Steuersünder einmal im Leben straflos selbst anzeigen.

Verborgen gebliebene 30 Millionen Franken

Sie müssen zwar die ausstehenden Steuern der letzten zehn Jahre nachzahlen, werden aber nicht gebüsst. Auch Erben müssen mit keiner Busse rechnen, wenn sie ihnen vermachtes Schwarzgeld später offen legen.

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Überraschung in St. Gallen: Nicht weniger als 300 Millionen Franken nicht deklariertes Schwarzgeld wurden 2014 den Behörden gemeldet. In einem Fall ging es um zuvor verborgen gebliebene 30 Millionen Franken, wie Felix Sager, Leiter des kantonalen Steueramtes, sagte. St. Gallen registrierte im vergangenen Jahr 539 Selbstanzeigen.

Am Bankenplatz Genf rannten 2014 rund 900 Steuerzahler dem Steueramt praktisch die Türen ein, um schwarze Einkommen, Vermögen oder Erbschaften straffrei weisszuwaschen. Der Sprecher des Steueramts, Roland Godel, schätzt die Mehreinnahmen durch Nachsteuern auf 46 Millionen Franken.

Schwarzgeld im Ausland versteckt

Der Kanton Jura verzeichnete mit geschätzten 550 Selbstanzeigen gar mehr als doppelt so viele wie 2013 (201). Jura rechnet mit Mehreinnahmen von 22 bis 24 Millionen Franken. 2013 sei viel im Ausland platziertes Schwarzgeld zurückgeholt und offengelegt worden, schrieb der Chef des jurassischen Steueramts, François Froidevaux. Grund seien die «Ängste gewisser Steuerzahler vor einem automatischen Informationsaustausch».

Der Kanton machte es den Steuersündern bislang auch leicht: Er verliess sich auf die Angaben der Betroffenen und verlangte keine Belege. Zudem galten für Nachsteuern für Kanton und Gemeinden tiefere Steuersätze. Doch diese Offerte lief Ende Jahr aus.

Auch im Wallis stieg die Zahl der Selbstanzeigen mit bislang 173 (2013: 110) auf einen neuen Rekord. Die Steuerverwaltung gab als Grund den «immer grösser werdenden Willen der Steuerzahler, Banken und der Berater an, Unversteuertes nachträglich straffrei zu deklarieren».

Ablasshandel?

Auch die Walliser wollen es den Steuerzahlern leichter machen: Im vergangenen Dezember beschloss der Grosse Rat, dass Steuersünder 2016 nur noch 20 Prozent der eigentlichen Steuerschuld bezahlen müssen, später 30 Prozent.

Im Tessin segnete das Volk im vergangenen Mai einen um 70 Prozent tieferen Satz für Nachsteuern ab. Doch dieser wegen der Ungleichbehandlung als Ablasshandel kritisierte Steuererlass ist durch einen Rekurs vor Bundesgericht blockiert. Nach Angaben der SP legten dennoch 440 Steuersünder im Kanton ihr Schwarzgeld offen, fast doppelt so viele wie 2013.

Inzwischen prüft auch Freiburg tiefere Steuersätze für Nachsteuern. Dieser Kanton meldet für 2014 eine Rekordzahl von 142 Selbstanzeigen – 41 mehr als im Vorjahr – und Nachsteuern von 3,9 Millionen Franken.

Kein Kavaliersdelikt

Auch ohne Steuererlass kletterten in einigen Kantonen die Selbstanzeigen auf neue Rekordwerte: In Zürich waren es 1500 (2013: 1300). Kanton und Gemeinden nahmen so 73 Millionen Franken ein, der Bund 20 Millionen Franken. Bern registrierte 840 Deklarationen und Mehreinnahmen von 22,5 Millionen Franken.

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Solothurn verzeichnete 333 Selbstanzeigen , 47 mehr als 2013. Unter anderem spielte dabei nach Ansicht des Chef des Steueramts des Kantons, Marcel Gehrig, der «Druck der Banken» und die «Empfehlung der Berater» eine Rolle.

Gehrig sieht zudem einen «Wertewandel». Die Zeiten, als Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt gewesen sei, seien vorbei. Dies hatte 2013 bereits der Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, der Zuger Regierungsrat Peter Hegglin, festgestellt.

Auch im Aargau stieg die Zahl der Selbstanzeigen auf 346 (2013: 319). Der für Nachsteuern und Bussen Verantwortliche, David Schenker, begründete dies unter anderem mit den «Bestrebungen der Banken und Treuhänder, Kunden, die Steuern hinterziehen, abzustossen». Auch in Graubünden (2014: 205, 2013: 142) zeigten sich mehr Leute selbst an.

Auch kleine Fische zittern

Dass inzwischen auch die kleinen Fische zittern, belegen die Zahlen aus der Innerschweiz. Dort stieg 2014 fast überall die Anzahl Selbstanzeigen – von 708 im Vorjahr auf 849. Doch die Einnahmen sanken von 34,6 auf 23,4 Millionen Franken.

Im Kanton Zug sank die Zahl der Selbstanzeigen von 118 auf 107, die Einnahmen durch Nachsteuern brachen auf 5,9 Millionen Franken (2013: 14,3 Millionen) ein.

Die Innerschweizer Steuerämter nannten neben dem Druck durch die Banken auch prominente Steuerbetrugsfälle, wie jenen des langjährigen FC-Bayern-München-Präsident Uli Hoeness, als Grund.

In einigen Kantonen stagnierte die Zahl der Selbstanzeigen: So in Glarus (2014: 56; 2013: 52), im Basel-Landschaft (238; 232) und vermutlich auch in Schaffhausen, wie die dortige Steuerverwaltung erklärte. Im Thurgau dürfte die Zahl um rund 20 Selbstanzeigen auf etwa 100 gesunken sein.

(sda/ise)