Weiterer Rückschlag für das Informatikprojekt Insieme der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV): Noch vor Direktor Ursprung musste auch der Entwicklungschef von Insieme gehen, weil er ohne WTO-Ausschreibung angestellt worden war. Das selbe Los droht einem halben Dutzend weiterer Spezialisten.

Der Top-Experte musste per Ende Mai die ESTV verlassen. ESTV-Sprecher Beat Furrer bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Sonntag». Erst am 19. Juni platzte die Affäre Insieme, und ESTV-Direktor Urs Ursprung musste gehen.

Beim entlassenen Entwicklungschef handle es sich um eine «Schlüsselfigur» für Insieme, sagte Furrer der Nachrichtenagentur sda. «Das ist natürlich schon ein Verlust.» Dessen Stelle habe den WTO-Schwellenwert von 230'000 Franken überstiegen, ab welchem eine öffentliche Ausschreibung zwingend ist, räumte Furrer ein. Die Vorschrift sei nicht eingehalten worden, weil die ESTV «Dringlichkeit erklärt» habe.

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«Alten Computersysteme der Steuerverwaltung ablösen»

Aufgeflogen sei dies im Rahmen der von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf im Januar angeordneten Administrativuntersuchung zur Beschaffung von Insieme. Dabei sei auch herausgekommen, dass ein halbes Dutzend weitere externe Spezialisten für Insieme ohne WTO-Ausschreibung angestellt worden seien.

Ende Juni sei ein Vertrag ausgelaufen, Ende Juli gingen ein paar weitere zu Ende. Wenn nun auch diese Spezialisten gehen müssten, wäre dies «schlecht für das Projekt» und könnte zu weiteren Verzögerungen führen, sagte ESTV-Sprecher Furrer und fügte an: «Ausser Frage steht, dass es irgend ein System geben muss, das die alten Computersysteme der Steuerverwaltung ablösen soll.»

(tno/sda)