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Internet: Schweizer hängen Deutsche und Österreicher ab

Die beiden Nachbarn haben ehrgeizige Ziele beim flächendeckenden Ausbau des Internet. Doch es wird lieber diskutiert als umgesetzt. Ganz im Gegensatz zur Schweiz, hier wird schon «fleissig gebaut».

Von Mathias Ohanian
am 11.08.2014

In Deutschland und Österreich haben die Regierungen ehrgeizige Ziele, was den flächendeckenden Ausbau mit ultraschnellem Internet angeht. Sowohl Berlin als auch Wien wollen die bereits ambitionierten Vorgaben der Europäischen Union (EU) übertreffen. «Mit konkreten Plänen oder Aktionen halten sie sich bislang jedoch zurück und üben sich lieber in kontroverser Diskussion.» Das schreiben die beiden Autoren Holger Delpho und Jan Todt in ihrer Studie «Breitband-Access 2018», die sie für die deutsche Beratungsfirma Mediareports Prognos erstellt haben.

Im Gegensatz zu Deutschland und Österreich werden in der Schweiz dagegen Nägel mit Köpfen gemacht: «In der Schweiz gibt es keine grossen Zielverlautbarungen», sagt Studienautor Delpho. «Einige Runde Tische der verschiedenen Interessensvertreter reichten aus, und jetzt wird fleissig Glasfaser gebaut.»

Schweizer Kabelnetze haben «einen grossen Vorsprung»

Wie die Bestandsaufnahme zeigt, ist die Schweiz bei Glasfaseranschlüssen im Vergleich zu den beiden Nachbarn am weitesten: «Die Swisscom und lokale Versorgungsunternehmen haben bis Ende 2013 bereits ein Fünftel der Haushalte mit Glasfaser erschlossen.» Damit liegen sie demnach im Plan. Damit jedoch nicht genug: Auch die Schweizer Kabelnetze haben «beim Angebot von schnellen Breitbandanschlüssen einen grossen Vorsprung».

Rund 80 Prozent aller Schweizer Haushalte werden demnach mit Zugängen von mehr als 50 Mbit in der Sekunde (Mbit/s) versorgt. Zum Vergleich: Ende 2013 lagen in Deutschland rund 60 Prozent der Haushalte im Versorgungsbereich von Breitband mit 50 Mbit/s, in Österreich waren es demnach rund 45 Prozent. 

Laut Studie gibt es ultraschnelles Internet in allen drei Ländern jedoch fast ausschliesslich in den grossen und mittleren Städten – also dort, wo die Kundendichte hoch und die Refinanzierungszeiträume der Investitionen überschaubar sind. «Ein Ausbau des letzten Fünftels mit der geringsten Kundendichte ist nach betriebswirtschaftlichen Kriterien nicht darstellbar», glauben die beiden Forscher. Hier sei die öffentliche Hand gefordert, sollen die hochgesteckten Ziele erreicht werden. Dies gelte insbesondere für Deutschland und Österreich.

In der Schweiz wird «bedarfsgerechte Lösung» erwartet

Für die Schweiz legen die Fachleute den grössten Optimismus an den Tag: Hierzulande werde sich im Zusammenspiel zwischen Swisscom und Grundversorgungspflicht «wahrscheinlich eine bedarfsgerechte Lösung finden». Für Deutschland und Österreich ist das Erreichen der Ziele laut Forschern nicht ohne zusätzliche Anstrengungen möglich.

Die EU formuliert als Ziel, die gesamte Bevölkerung bis spätestens Ende 2020 mit Breitbandinternet mit mindestens 30 Mbit/s zu versorgen. Deutschland bis Ende 2018 einen vollständigen Ausbau mit 50 Mbit/s erreichen, in Österreich soll die Bevölkerung bis 2020 flächendeckend mit mindestens 100 Mbit/s surfen können.

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